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VATICAN-NEWS

23. 3. 2022

Papst an Kriegstreiber: „Waffenkauf ist keine Lösung!“

Deutliche Worte hat Franziskus an diesem Mittwoch zum Ende seiner Generalaudienz gesprochen: Er rief die beteiligten Regierungsführer auf, den Krieg in der Ukraine zu beenden und nach Friedenslösungen zu suchen.

 

Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus

 

2010 zog er sich offiziell aus dem öffentlichen Leben zurück. Dennoch meldet er sich regelmäßig zu Fehlentwicklungen in seinem Land zu Wort und galt als dessen moralische Instanz. Jahrelang unterstützte Tutu unter anderem homosexuelle Paare und engagierte sich für Aids-Kranke. 2019 empfing er den britischen Prinzen Harry und Herzogin Meghan mit ihrem Sohn Archie. Im Juni 2020 meldete sich Tutu angesichts der Proteste in den USA wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd zu Wort. Er verurteilte einen weltweiten „Alltagsrassismus“.

Es sei eine „unangenehme Wahrheit“, dass die Leben bestimmter Gesellschaftsgruppen als wertvoller erachtet würden als die von anderen, so die Stiftung des früheren Anti-Apartheid-Aktivisten. Floyds letzte Worte „Ich kann nicht atmen“ sprächen „für Milliarden Menschen, die man ihrer Rechte beraubt hat, weil sie arm, schwarz, eine Frau, homosexuell sind oder einen ’anderen# Glauben haben“, so die Organisation des emeritierten anglikanischen Erzbischofs.

 

Desmond Tutu mit seiner Frau Leah 2013

 

APA/AFP/Ruvan Boshoff

Mit seiner Frau Leah 2013

 

Dem anglikanischen Theologen hat Südafrika unter anderem das weitgehend gewaltfreie Ende des rassistischen Apartheid-Systems in den 1990er Jahren zu verdanken. In all den Jahren seines Kampfes für die Rechte der Schwarzen in Südafrika hielt Tutu am unerschütterlichen Glauben an einen gewaltlosen Wandel und einer Aussöhnung zwischen den Bevölkerungsgruppen fest. Auch für den Ausstieg aus fossiler Energiegewinnung sprach sich Tutu aus – um nicht „weiter die Zerstörung der menschlichen Zukunft zu finanzieren“.

Nationale Versöhnung

Als Leiter der Nationalen Wahrheits- und Versöhnungskommission sorgte Tutu nach dem Ende der Apartheid mit großer Ausgewogenheit und Beharrlichkeit für Aufarbeitung der Geschichte des Apartheid-Regimes und trug damit maßgeblich zur nationalen Versöhnung seines Landes bei.

In seinem Abschlussbericht der Kommission, die fast 22.000 Zeugen anhörte und Berge von Archivmaterial durchforstete, warf Tutu 1998 nicht nur den Schergen des Apartheid-Regimes schwere Menschenrechtsverletzungen vor, sondern kritisierte auch Mitglieder des inzwischen regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) wegen einer Reihe von Gräueltaten.

„Volksheld“ im Einsatz für den Frieden

Durch seine zahlreichen Auslandsreisen und Publikationen, in denen er den wirtschaftlichen Boykott seines Landes forderte, gelang es dem charismatischen und gewandten Redner, die Weltöffentlichkeit zunehmend für die innenpolitische Situation in Südafrika zu interessieren.

 

Desmond Tutu 2018

 

Reuters/Sumaya Hisham

Desmond Tutu bei einer Enthüllungsfeier für eine Nelson-Mandela-Statue 2018

 

Den Höhepunkt seiner geistlichen Karriere erreichte Tutu 1986, als er zum Erzbischof von Kapstadt und damit als erster Schwarzer zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche in Südafrika ernannt wurde. Für die schwarze Bevölkerung wurde Tutu schnell zum Volkshelden, aber auch viele weiße Südafrikaner waren fasziniert von seinen Ideen einer Aussöhnung der südafrikanischen Gesellschaft. Als dann Präsident Frederik Willem de Klerk im Herbst 1989 den Dialog mit der schwarzen Bevölkerung aufnahm, war Tutu einer seiner ersten Gesprächspartner.

Zahlreiche Auszeichnungen

Für seinen Einsatz wurde Tutu vielfach ausgezeichnet. 2013 erhielt er den Bilbao-Preis der UNESCO zur Förderung der Menschenrechte, 1984 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Weiters erhielt er den Martin-Luther-King-Preis, den in den USA verliehenen katholischen Friedenspreis „Pacem in Terris Award“ sowie mehrere Dutzend Ehrendoktorwürden. Eine davon wurde Desmond Tutu im Juni 2009 von der Universität Wien verliehen.

Mit dem ihm eigenen Humor meinte Tutu im Jänner 1997, als bei ihm Prostatakrebs festgestellt wurde: „Es hätte schlimmer kommen können: Ich hätte mein Gedächtnis verlieren können!“ Gesundheitlich erholte er sich wieder, obwohl er ab 2015 mehrfach ins Krankenhaus musste.

Tutu hinterlässt Frau und Kinder

Als er sich 2016 in einer Videobotschaft an den Welt-Aids-Kongress wandte, schien er mager, aber ungebrochen scharfen Verstandes. Bereits deutlich gebrechlich präsentierte er sich im September 2019 noch einmal in der Öffentlichkeit, als ihm der britische Prinz Harry in Kapstadt seine Familie vorstellte und er dem kleinen Sohn Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

Tutu hinterlässt seine Frau Leah, einen Sohn und drei Töchter. Seine letzten 24 Stunden würde er gerne mit seiner Familie verbringen, hatte er 2014 dem Magazin „Cicero“ gesagt – und mit etwas Augenzwinkern hinzugefügt: „Ich werde ihnen sagen, dass sie auf sich aufpassen und füreinander sorgen sollen – besonders für ihre Mutter; andernfalls werde ich zurückkehren und sie heimsuchen!“

 

 

 

 

Kirchenvertreter: Welt ohne Atomwaffen ist möglich

 

Wien, 29.07.2021 (KAP) Für eine Welt ohne Atomwaffen wird zum Jahrestag der Atombombenabwürfe von 1945 auf Hiroshima und Nagasaki auch in Wien demonstriert. "Wie können wir verantworten, Unsummen für Atomwaffen und Rüstung auszugeben, während in weiten Teilen der Welt Menschen unter Hunger, Krieg, Armut, unter den Folgen des Klimawandels und der Corona-Pandemie leiden?", schreibt Kardinal Christoph Schönborn in einer Botschaft an die Veranstalter des Hiroshima-Gedenktags am 6. August. Die jährliche Friedensaktion von Pax Christi, Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe Wien startet um 18 Uhr auf dem Stephansplatz. Der ab 20 Uhr anschließende Laternenmarsch zur Karlskirche kann nach einer Corona-Pause im Vorjahr wieder stattfinden. Mehrere bekannte Kirchenvertreter unterstützen die Aktion.

"Der Druck auf die Atomwaffenstaaten wird größer und darf nicht nachlassen. Die Agenda der Bergpredigt bleibt für Christinnen und Christen ihr Maßstab", hält etwa der Linzer Bischof Manfred Scheuer in seinem schriftlichen Grußwort fest. Man solle sich für "Frieden und Abrüstung" einsetzen, und "Verantwortung gegenüber der Menschheit und dem Planeten Erde" zeigen. Der Anfang des Jahres in Kraft getretene Atomwaffenverbotsvertrag sei "ein guter Schritt in die richtige Richtung", betont auch der Theologe Paul Zulehner. Für ein Leben in Frieden brauche es eine "Welt der Zuversicht, keine Bedrohung durch atomare Selbstvernichtung".

86 Länder haben den Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) bisher unterzeichnet, 55 von ihnen haben die Vereinbarung wie Österreich und der Heilige Stuhl auch ratifiziert. Die neun Atommächte und ebenso die Mitgliedsländer der NATO lehnen das Abkommen ab.

Die Verantwortung von Christinnen und Christen für die Schöpfung, hebt der evangelisch-reformierte Thomas Hennefeld, zu der Hiroshima-Friedensaktion hervor. "Daher müssen wir alles dazu tun, dass diese Massenvernichtungswaffen geächtet und aus der Welt geschafft werden." Nicht erst der Einsatz, schon Besitz und Verbreitung von Atomwaffen seien "eine Sünde gegen Gott, gegen die Menschheit und gegen die ganze Schöpfung".

Auch in weiteren Grußworten wird für die Schöpfungsverantwortung argumentiert, und zwar sowohl bei Atomenergie als auch beim Thema Klimawandel. So fordert der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner "Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung" und ein "lebbares Leben für alle". Mitveranstalter Alois Reisenbichler erinnert dazu, dass die sogenannte "Weltuntergangsuhr" von Wissenschaftlern bereits auf 100 Sekunden vor Zwölf gestellt wurde. Grund der bedrohlichen Situation seien die Gefahren durch Atomwaffen und den Klimawandel.


Papst-Einsatz für atomwaffenfreie Welt


Papst Franziskus hatte 2017 nukleare Abschreckung als ethisch nicht mehr vertretbar bezeichnet und damit die katholische Lehre gegenüber Positionen aus dem Kalten Krieg verschärft. Bei einem Besuch in Hiroshima im November 2019 verurteilte er schon den Besitz von Kernwaffen als "unmoralisch", bevor er im Herbst 2020 in der Enzyklika "Fratelli tutti" die vollkommene Abschaffung von Atomwaffen als "moralische und humanitäre Pflicht" verlangte.

Seit der Enzyklika "Pacem in terris" von Papst Johannes XXIII. (1958-1963), die dieser angesichts der an den Abgrund eines nuklearen Infernos führenden Kubakrise verfasste, und dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) hätten die Päpste eine immer kritischere Haltung zur atomaren Abschreckung eingenommen und sich damit auch zunehmend der Position Mahatma Gandhis (1869-1949) angenähert, fasst "Pax Christi Österreich"-Präsident Wolfgang Palaver in einer Kathpress vorliegenden Erklärung zum Hiroshima-Gedenktag zusammen. "Fratelli tutti" von Papst Franziskus schließe diese Entwicklung ab, so der Innsbrucker Theologieprofessor, der zuletzt mehrere Monate lang am Stellenbosch Institute for Advanced Study in Südafrika zu Gandhis Gewaltfreiheit forschte.

"Die Lehre, die [...] aus der furchtbaren Tragödie der Bombe gezogen werden kann, lautet: Bomben können niemals durch gegnerische Bomben unschädlich gemacht werden, so wenig wie Gewalt durch Gegengewalt. Die Menschheit muss sich ausschließlich durch Gewaltfreiheit von der Gewalt befreien", zitiert Palaver Gandhi. Entsprechend müsse Gewaltfreiheit immer stärker eingeübt und sowohl auf persönlicher als auch auf politischer Ebene verwirklicht werden, so der "Pax Christi"-Präsident. Die Friedensbewegung werde sich in den nächsten Jahren verstärkt dafür einsetzen. (Info zum Aktionstag: 
www.hiroshima.at)

 

 

CON-MEMORATIO – HANS KÜNG ZU EHREN

Ein Nachruf von Norbert Arntz

 

Nach langen Jahren des Schweigens, am Ende eines reichhaltigen und viele andere bereichernden Lebens ist Hans Küng am Osterdienstag gestorben. Gemeinsam wollen wir als ITP ihn hier erwähnen. Das meint „Conmemoratio“; das macht ihn gegenwärtig. Die Erinnerung an jeden Toten ist ambivalent. Sie vermag zwar dankbar vergangene Episoden ins Bewusstsein zurückholen, kann den Toten aber nicht zum Leben erwecken. Die Anwesenheit der Erinnerung macht die Abwesenheit des Erinnerten nur umso schmerzlicher bewusst. Was war, ist gewesen und wird nicht mehr sein

können. Daher empfinden wir mit der Dankbarkeit zu gleich Trauer und Melancholie.

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Hans Küng bei der Konziliaren Versammlung 2012 in Frankfurt am Main aus Anlass des 50. Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils, die das ITP mitveranstaltet hat. Foto: Ralf Heinrichs.

 

Doch weil das, was ist, nicht alles ist, erinnern wir uns – zusammen mit dem toten Hans Küng – zugleich eines Versprechens, für das er sein Leben verpfändet hat:

 

Christ sein bedeutet: In der Nachfolge Jesu Christi in der Welt von heute wahrhaft menschlich leben, handeln, leiden und sterben – in Glück und Unglück, Leben und Tod gehalten von Gott und hilfreich den Menschen.

 

Für dieses „Glaubensbekenntnis“ gibt es ein Versprechen, auf dem wir mit Hans Küng beharren: Einmal wird der Tod nicht mehr sein, ist versprochen. Einmal werden Trauer und Klage nicht mehr sein, ist versprochen. Einmal werden die Toten leben, ist versprochen. Einmal wird es sein, dass die Wüste blüht und die Steppe jubelt. Einmal wird es sein, dass die Tränen getrocknet sind und dass ein Lachen auf unseren Lippen ist, das nicht mehr auf Kosten anderer gelacht wird. Weil wir die Opfer nicht Opfer sein lassen können, sagen wir, dass der Tod entmachtet ist – jetzt schon!

 

Also leihen wir uns bei den Toten diese Sprache, die eher Fremd-Sprache als eigene ist. Aber angesichts des Todes ist jede Fremdsprache besser als die Stummheit. Neben der Hoffnungssprache der Bibel auch die des nunmehr toten Hans Küng. Wir lesen noch einmal die Worte, die er bei einer unserer letzten Begegnungen an uns gerichtet hat. Am 18. Oktober 2012 eröffneten wir in Frankfurt/Main die Konziliare Versammlung zum Gedenken an die Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils fünfzig Jahre zuvor. Unter der Maxime „Hoffnung und Widerstand“ versammelten sich in der Paulskirche wenige Monate vor dem Pontifikatswechsel mehr als tausend Menschen. Dabei hielt Hans Küng uns die Rede, deren ersten und letzten Abschnitt wir hier noch einmal zitieren. Sie ist für uns – neben vielem anderen aus seinem Wirken – ein Vermächtnis:

 

Als altes Schlachtross im Kampf um das Konzil danke ich Ihnen, liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren, dass Sie mich noch als kampfestüchtig und kampfesfreudig einschätzen. Gemeinsam sind wir stark, und ich freue mich, dass es gelungen ist, kleine Reformgruppen und große Reformbewegungen zu versammeln: vom Institut für Theologie und Politik (Münster) bis zur KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“, zur Initiative „Kirche von unten“, zur Leserinitiative „Publik-Forum“ und viele andere aus dem Inland und sogar dem Ausland. Denn Kirchenreform und Gesellschaftsreform, Ökumenismus ad intra und Ökumenismus ad extra gehören zusammen. Und ich freue mich, gerade hier in der Paulskirche, dem Tagungsort des ersten verfassungsgebenden Parlaments von Deutschland, sprechen zu dürfen. Möge dieser für die deutsche Demokratie repräsentative Bau, der in einem mörderischen, verbrecherischen Krieg zerstört und doch nach 1949 wieder aufgebaut wurde, zum Symbol werden auch für die weithin zerstörte und wieder von unten aufzubauende ursprüngliche Demokratie in der katholischen Kirche. […]

 

Ich darf für mich das Wort Friedrich Schillers in Anspruch nehmen: Ich habe „die Träume meiner Jugend nicht verraten“: nicht den Traum von einer Erneuerung der Kirche und einer Einheit der christlichen Kirchen, nicht den Traum vom Frieden zwischen den Religionen und Zivilisationen und nicht den Traum von einer echten Gemeinschaft der Nationen. Diese Träume mögen jetzt von den nachfolgenden Generationen geträumt werden, und ich hoffe, dass das Wort des Propheten Joël vom Ausgießen des Geistes Gottes in neuer Weise in Erfüllung geht: „Und Eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Alten werden träumen, eure jungen Männer aber werden Visionen haben“ (Joël 3,1). Ich wünsche Ihnen allen von Herzen: Lassen Sie sich bei allen Enttäuschungen nicht entmutigen. Kämpfen Sie zäh und tapfer weiter in vertrauendem Glauben und bewahren Sie angesichts aller Trägheit, Torheit und Resignation die Hoffnung auf eine Kirche, die wieder mehr aus dem Evangelium Jesu Christi lebt und handelt. Und vergessen Sie bei allem Zorn, Streit und Protest die Liebe nicht!“

 

 

 

 

religion.orf.at

 

Friedensbildung

Vatikan-Konferenz zu Abrüstungs-Initiativen

Initiativen und Beispiele für Abrüstung und Konfliktlösung haben der Vatikan und die SOAS University of London bei einem Webinar am Dienstag vorgestellt. Anlass war der Aufruf von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu einem „sofortigen weltweiten Waffenstillstand“.

Guterres hatte sich vor einem Jahr, zu Beginn der Coronavirus-Pandemie geäußert. Umfassende Abrüstung sei auch notwendig, um Ressourcen für das Gesundheits- und Sozialwesen zu gewinnen, so die Forderung zahlreicher Referenten bei dem Webinar. Organisiert wurde das WebinarAdvancing integral disarmament in times of pandemic“ von der Vatikanbehörde für ganzheitliche Entwicklung.

Dabei erinnerte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an die jüngste Papst-Enzyklika „Fratelli tutti“, die zu Abrüstung und Konfliktvermittlung aufruft. Kurienkardinal Kurt Koch kündigte zwei weitere Dokumente des Vatikans zu friedensbildenden Maßnahmen an. Er, wie auch der für interreligiösen Dialog zuständige Kurienkardinal Miguel Ayuso, bekräftigten weitere Dialogbemühungen zwischen Konfessionen und Religionen.

Friedenserziehung „essentiell“

Über Initiativen, Rüstungsbetriebe von der Produktion etwa von Streumunition abzubringen, berichtete Susi Snyder von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). So sei es ICAN gelungen, über den Druck von Finanzdienstleistern selbst große US-Unternehmen davon zu überzeugen, sich aus der Waffenproduktion ganz oder teilweise zurückzuziehen. Dazu seien neben Demonstrationen auch der Druck von Bankkunden und Aktionären notwendig.

Greet Vanaerschot von Pax Christi, Niederlande, berichtete über Maßnahmen zur Friedenserziehung mit Jugendlichen in Kongo, Ruanda und Burundi, wie auch von Initiativen auf den Philippinen und an deutschen Schulen. Jungen Menschen schon früh zu zeigen, dass und wie Konflikte auch gewaltfrei zu lösen sind, „ist essenzieller Aspekt elterlicher, schulischer wie religiöser Erziehung“, so Vanaerschot.

Konfliktvermittlung statt Waffen

Dienstleistungsangebote zur Konfliktvermittlung und Abrüstungsverhandlungen präsentierte Dan Plesch von der SOAS University of London. Anhand bisheriger internationaler Verhandlungserfahrungen, Abkommen und Gesetzestexte biete die von ihm vertretene Kampagne „Strategic Concept for Removal of Arms and Proliferation“ (SCRAP) konkrete Bausteine für weitreichende regionale wie internationale Abrüstungsinitiativen.

Freiwerdendes Geld für Klimaschutz

Freiwerdendes Geld und eingesparte natürliche Ressourcen, so betonten auch andere Vertreter von Religionsgemeinschaften und NRO, würden dringend benötigt im Kampf sowohl gegen den Klimawandel wie auch gegen die Pandemie. Diese, so die Warnung, vergrößere erneut Ungleichheiten, die wiederum Ursache für weitere gewaltsame Konflikte werden.

In seiner Osterbotschaft 2020 hatte Papst Franziskus den Aufruf Guterres’ zu Waffenstillständen und Abrüstungsinitiativen unterstützt. Gleichzeitig beauftragte er das von Kardinal Peter Turkson geleitete Entwicklungsdikasterium mit der Bildung einer Kommission. Diese soll international wie interdisziplinär Maßnahmen gegen die Pandemie wie auch Ideen zur Stärkung alternativer Wirtschafts- und Gesellschaftsformen sammeln und koordinieren.

red, religion.ORF.at/KAP

 

 

 

religion.orf.at

 

12. März 2021

 

Konferenz

Bischofsappell an Regierung: Flüchtlinge aufnehmen

Die Spitze der österreichischen katholischen Kirche appelliert erneut und eindringlich an die Regierung, auf den griechischen Ägäis-Inseln untergebrachte Flüchtlinge im Rahmen einer geordneten europäischen Rettungsaktion aufzunehmen.

Österreichs Bischöfe tagten vom 8. bis 11. März virtuell im Rahmen ihrer traditionellen Frühjahrsvollversammlung. „Österreich soll sich jetzt daran beteiligen und dabei dem Beispiel Bulgariens, der Schweiz, Belgiens, Deutschlands und anderer Staaten in Europa folgen“, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz nach deren Frühjahrsvollversammlung.

„Dieses humanitäre Aufnahmeprogramm ist konkreter Ausdruck jener Werte, für die Europa und das Christentum stehen“, argumentieren die Bischöfe. Aus persönlichen Gesprächen mit Bürgermeistern, Gemeinden, Pfarren und Initiativen wisse man, dass viele in Österreich bereit seien, diese Menschen aufzunehmen, zu betreuen und zu integrieren.

Für „geordneten Eintritt“

„Die Kirche und viele Initiativen in ihrem Umfeld wollen sich daran beteiligen und haben gerade in letzter Zeit ganz konkrete Angebote und Vorschläge dazu gemacht“, hieß es. „Die österreichische Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten konkrete Schritte gesetzt, um der Not von geflüchteten Menschen im Norden Syriens, aber etwa auch in Griechenland oder in Bosnien-Herzegowina zu begegnen“, so die Bischofskonferenz weiter. Die Hilfe vor Ort werde „ausdrücklich begrüßt“, heißt es in der Erklärung.

Dass auch in Europa derartige Unmenschlichkeiten passierten, rücke leider – nicht zuletzt durch die Coronaviruskrise – in den Hintergrund, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, im Gespräch mit der APA. Er spricht sich für einen „geordneten Eintritt“ jener, denen auch Asyl zusteht, nach Österreich ein. Lob gab es für die im Justizministerium eingesetzte „Kindeswohlkommission“ unter Irmgard Griss. Lackner: „Ich orte guten Willen.“