epd, 7. 3. 19

Karfreitag – Bischof Bünker wendet sich in Brief an alle Pfarrgemeinden

3. März 2019 (Sonntag Estomihi)

Liebe Schwestern und Brüder,

entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen. Mit etwas Abstand zu den Ereignissen dieser Woche, die nicht nur mich tief betroffen machen, möchte ich einige Klarstellungen dazu vornehmen:

Wir haben von Anfang an praktikable Lösungen vorgeschlagen, die sowohl der Zusage, dass „niemandem etwas weggenommen werden soll“, als auch dem EuGh-Urteil entsprochen hätten: zum einen den Karfreitag als ganzen Feiertag für alle, zum anderen einen zusätzlichen (individuell festlegbaren) freien Tag. Beides wurde zurückgewiesen.

Stattdessen lag seit dem 19. Februar die Variante mit dem „halben“ Feiertag für alle – ab 14 Uhr – vor. Gegen diese Entscheidung erhob sich berechtigterweise laute Kritik von vielen Seiten. Für uns hätte sie einen unzumutbaren Eingriff in die Religionsausübungsrechte bedeutet, weil Gottesdienste am Vormittag erschwert und an vielen Orten sogar unmöglich gemacht worden wären. Diese Regelung hätte unsere gewachsene Gottesdienstkultur schwer beschädigt, wenn nicht zerschlagen. Daher kam auch von der Evangelischen Kirche massiver Einspruch dagegen. Im Internet haben sich in kurzer Zeit rund 30.000 Menschen gegen diese Lösung ausgesprochen.

Nachdem unsere Positionen lange ignoriert wurden, kam es in Folge dieses Unmuts zu sehr kurzfristig anberaumten Gesprächen. Am Montag, den 25. Februar, begann ein intensiver Austausch der Regierungskoordinatoren mit mir, mit dem Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, und einigen anderen. Ich habe mich in allen diesen Gesprächen für den Karfreitag als Feiertag im Austausch gegen den Pfingstmontag stark gemacht, doch traurigerweise bin ich mit diesem Vorschlag alleine geblieben. Es war auch deshalb ein großer Zeitdruck gegeben, weil der von mir eingebrachte Vorschlag, sich für ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten ausreichend Zeit zu nehmen, leider nicht aufgenommen wurde. Dies ist umso bedauerlicher, da das unserer in den Evangelischen Kirchen gepflegten demokratischen Kultur zuwiderläuft.

Der Ausgang der „Verhandlungen“, in denen unsere Lösungsvorschläge keinen Raum bekamen, wurde am Dienstag, den 26. Februar, gegen Mittag veröffentlicht und bereits am Tag darauf im Nationalrat beschlossen. Somit konnte nur das Schlimmste verhindert werden: dass evangelische Familien nicht mehr gemeinsam am Karfreitag Vormittag Gottesdienst haben können. Die für uns inakzeptable Lösung mit dem „halben“ Feiertag, die eine Zerschlagung unsere Gottesdienstkultur am Karfreitag bedeutet hätte, war vom Tisch. Das hat bei mir zunächst Erleichterung ausgelöst.
Allerdings ist der „persönliche Feiertag“, den jeder und jede selbst bestimmen und in Anspruch nehmen kann, kein zusätzlicher freier Tag, sondern muss aus dem bestehenden Urlaubsanspruch genommen werden. Hier wurde einseitig den Interessen der Wirtschaft gefolgt – und ein öffentliches Versprechen gebrochen. Das ist auch für mich eine große Enttäuschung. Von einer Einigung zwischen der Regierung und der Evangelischen Kirche, wie in einigen Medien gefolgert wurde, kann in diesem Punkt nicht die Rede sein.

In einer ersten, sehr eilig entstandenen Stellungnahme habe ich mich bemüht, die positiven Aspekte der geänderten Regierungslinie, die uns eine Feier zur gewohnten Gottesdienstzeit ermöglicht, zu würdigen. Dass dieser unglückliche Versuch als positive Zustimmung zum Gesamtergebnis gedeutet werden konnte, schmerzt mich sehr und tut mir leid. Ich bedanke mich für alle Reaktionen dazu, auch für die offenen kritischen Worte.

Niemand weiß, wie die neue Regelung gelebt werden wird. Dazu kommt eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen. Fazit ist, dass damit den Evangelischen ein bisher freier Tag genommen wird. Das wirft ein Licht darauf, wie mit den Interessen religiöser Minderheiten in Österreich derzeit umgegangen wird. Viele Evangelische in Österreich haben sich empört an mich gewandt, weil sie sich jetzt als Bürger und Bürgerinnen zweiter Klasse sehen. Es wird eines starken Zeichens der Wertschätzung durch die Regierung gegenüber den Evangelischen bedürfen, um diese Emotionen wieder ins Lot zu bringen. Und wir werden von unserer Forderung nach einem rechtskonformen freien Karfreitag nicht abgehen.

Der Karfreitag ist für uns Evangelische von zentral wichtiger Bedeutung. Wir sind im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn verbunden. Feiern wir den Karfreitag heuer besonders bewusst und zahlreich, um gemeinsam seine Bedeutung für uns Evangelische sichtbar zu machen!

Ich bedanke mich für alle Unterstützung dieses Anliegens.

Herzliche Grüße

Bischof Michael Bünker

 

 

 

EPD, 31. Dezember 2018

Reformierte Kirche: Früherer Pfarrer und Oberkirchenrat Balázs Németh verstorben

Landessuperintendent Hennefeld: Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit hatte in seiner Arbeit oberste Priorität

Wien (epdÖ) Die Evangelische Kirche H.B. in Österreich trauert um Balázs Németh. Der langjährige evangelisch-reformierte Pfarrer der Wiener Zwinglikirche, der von 1986 bis 1998 auch als Oberkirchenrat der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich angehörte, verstarb am 29. Dezember in Wien im 88. Lebensjahr.

„Balázs Németh wird seiner Kirche fehlen“, sagte der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in einer ersten Reaktion gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Seine Kirche, so Hennefeld weiter, werde ihn „in dankbarer Erinnerung“ behalten, seine „auf das Wohl der Menschen ausgerichtete Theologie wird uns weiter begleiten“.

Als Mitglied der Synode und Generalsynode, als Mitglied des Oberkirchenrates H.B., in diversen Ausschüssen und im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich habe Balázs Németh die reformierte Kirche in Österreich in den letzten Jahrzehnten stark mitgestaltet und geprägt. „Der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt hatte in seiner Arbeit oberste Priorität“, unterstreicht Hennefeld. „Unermüdlich verkündigte er den menschenfreundlichen Gott, der auf der Seite der Unterdrückten, Schwachen und Armen steht.“ In Némeths Theologie haben sich christliches, humanistisches und marxistisches Gedankengut „zu einer fruchtbaren Symbiose“ verbunden. Hennefeld würdigte Németh als Vertreter einer reformierten Theologie auf der Grundlage der reformatorischen Schriften des 16. Jahrhunderts „mit dem zentralen Gedanken, dass sich der christliche Glaube in der Weltgestaltung manifestieren müsse“. Németh habe stets die Untrennbarkeit von Gottes-und Nächstenliebe betont. Seine Theologie, so Hennefeld weiter, war von evangelischen Theologen wie Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer oder auch Paul Tillich beeinflusst, ebenso wie von der Theologin und Dichterin Dorothee Sölle oder auch dem Dichter Erich Fried, „also von Menschen, die einen radikalen Humanismus vertraten“. In seiner „unermüdlichen aber nie persönlich untergriffigen Kritik“ habe Németh „ganz im prophetischen Sinn“ die ungerechten wirtschaftlichen Strukturen und einen menschenverachtenden Kapitalismus und Neoliberalismus angeprangert. Die autoritären und teilweise auch faschistoiden Entwicklungen in Europa in den letzten Jahren, so auch in seinem Heimatland Ungarn, habe er „mit großer Sorge“ verfolgt.

Als gebürtiger Ungar hatte Balázs Németh auch stets die Kontakte zur ungarisch-reformierten Schwesterkirche wie auch zu den ungarisch sprachigen Kirchen im Karpatenraum gepflegt. Németh war maßgeblich an der sogenannten „Oberwartkonferenz“ beteiligt, die reformierte KirchenvertreterInnen aus Ost und West in der Zeit des Kalten Krieges aber auch danach zusammenbrachte.

Balázs Németh ging zwar schon 1998 in den Ruhestand, blieb aber bis vor wenigen Monaten aktiv. Er hielt Gottesdienste und Vorträge, machte gelegentlich noch Trauungen, Taufen und Begräbnisse und nahm am Gemeindeleben seiner Gemeinde Wien-West, in der er mehrere Jahrzehnte als Pfarrer wirkte, aktiv teil. „Ich schätzte seinen scharfen Verstand, seine Bescheidenheit und Einfachheit im persönlichen Leben wie sein leidenschaftliches Engagement für eine bessere und gerechtere Welt“, erinnert sich Hennfeld.

Balázs Németh wurde 1931 in Budapest geboren und wuchs in seiner ostungarischen Heimatstadt Nagykörös auf. Als Jugendlicher erlebte er das präfaschistische Horthy-Regime und die deutsche Besatzung. Nach dem Studium der Theologie an der Reformierten Theologischen Akademie von Budapest trat er ins Vikariat. 1956, im Jahr der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands durch die Sowjetunion, verließ er das Land und ging nach Österreich, um hier im Auftrag des Weltkirchenrates in Genf ungarische Flüchtlinge zu betreuen. Seine Studien setzte er in Heidelberg und Wien fort.
In Österreich wurde er 1964 mit der Pfarrstelle an der Zwinglikirche von Wien-West betraut, die er bis zu seiner Pensionierung 1998 betreute. Seit 1986 gehörte er bis zum Pensionsantritt dem Oberkirchenrat H.B. an.
Németh war ab 1969 Redakteur des Reformierten Kirchenblatts und 1975/76 an der Gründung der Zeitschrift Kritisches Christentum beteiligt. Seither sind seine Artikel und Predigten konstitutiver Bestandteil dieser Zeitschrift. Er gehörte dem Vorstand des Herausgebervereins „Aktion Kritisches Christentum“ an und zählte 1984 zu den Gründungsmitgliedern der ökumenischen Aktionsgemeinschaft „Christen für die Friedensbewegung“, bis März 2011 hatte er den stellvertretenden Vorsitz inne. Er war Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz und von 1965 bis 1985 als Jugendpfarrer H.B. – im gesamteuropäischen Ökumenischen Jugendrat engagiert.

2001 schloss er seine Dissertation über die „Evangelisch-reformierte Lebensgestaltung zwischen Kontinuität und Wandel – Ungarn im 16. Jahrhundert als Beispiel“ ab, die 2003 in Buchform erschienen ist und auch ins Ungarische übersetzt wurde. 2002 wurde er am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien promoviert. Bis zu seinem Tod vertrat Balázs Németh die Evangelische Kirche in Österreich im Volksgruppenbeirat der Bundesregierung für die ungarische Volksgruppe.

 

 

 

religion.orf.at, 1. 1. 19

 

Erzbischof von Jerusalem: Chance auf Frieden gegeben

Das Oberhaupt der lateinischen Katholiken im Heiligen Land, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat davor gewarnt, die Möglichkeit eines Friedens für die Region zynisch abzutun.

„Wenn wir darauf verzichteten, echte Politiker zu werden - das heißt, positive Architekten und Bauherren unserer Stadt -, würden auch wir zu Gefährdern des Friedens werden“, sagte der Italiener am Dienstag in Jerusalem anlässlich des Weltfriedenstags.

„Frieden gegen verschiedenste Gefahren verteidigen“

Pizzaballa räumte in seiner Predigt ein, dass es neben seit Jahren gescheiterten Verhandlungen, nicht realisierten Friedensplänen und einer stagnierenden Wirtschaft zahlreiche weitere ungelöste Probleme im Heiligen Land gebe.

Dennoch seien alle dazu aufgerufen, „im höchsten Sinne des Wortes Politik zu betreiben“ und den Frieden gegen die verschiedensten Gefahren zu verteidigen, so der Leiter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Dies müsse in den christlichen Häusern, Gemeinschaften und Schulen beginnen.

Gleichzeitig rief der Erzbischof die Gläubigen dazu auf, sich zu Verteidigern der Gerechtigkeit und des Friedens zu machen. „Maßnahmen für Frieden müssen von der ausdrücklichen Ankündigung unseres Bekenntnisses zu ihm begleitet werden“, so Pizzaballa.

religion.ORF.at/KAP