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Adveniat | Das Lateinamerika-Hilfswerk Logo

 

24. März 2025

 

„El Salvador braucht einen neuen Óscar Romero!“

Adveniat zum 45. Todestag des Heiligen

 

„El Salvador braucht einen neuen Óscar Romero!“ Das sagt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat Pater Martin Maier anlässlich des 45. Todestages des Märtyrers und angesichts der verstörend-martialischen Bilder von 240 venezolanischen Migranten, die unter unmenschlichen Bedingungen aus den USA in das salvadorianische Mega-Gefängnis Cecot geflogen wurden – trotz der Anordnung eines US-Bundesrichters, die Flugzeuge zurückzuholen. „Präsident Nayib Bukele führt El Salvador in eine Diktatur“, so Pater Maier. „Und damit ausgerechnet das mittelamerikanische Land, in dem Óscar Arnulfo Romero gegen die damalige Militärdiktatur mit friedlichen Mitteln aufgestanden ist.“ Seinen Einsatz hat der 2018 von Papst Franziskus Heiliggesprochene mit dem Leben bezahlt, als er am 24. März 1980 von einem Mitglied der Todesschwadronen im Auftrag der Militärjunta am Altar erschossen wurde.

 

Parallelen zwischen den 1980er-Jahren und heute erschreckend

 

Für den Adveniat-Hauptgeschäftsführer sind die Parallelen zwischen den 1980er-Jahren und heute erschreckend: „Damals wurde die Militärdiktatur in El Salvador von den USA mit dem Hinweis auf eine angebliche Gefahr der Machtübernahme durch die Kommunisten unterstützt. Und heute hofiert die Trump-Administration einen Autokraten, der sich anbietet, das angebliche Migrationsproblem zu lösen, indem er sein Land zum Gefängnis-Außenposten der USA macht.“

 

Was die medial vorgeführten und bloßgestellten Menschen erwartet, sei kein Geheimnis. Denn von Menschenrechtsorganisationen und der Kirche des Landes sei hinreichend klar dokumentiert, dass Bukele bei seinem Kampf gegen die Jugendbanden, die für die Gewalt und eine der höchsten Mordraten verantwortlich gewesen sind, keineswegs nur Mitglieder der Maras ohne jedes Verfahren weggesperrt habe. Den Vorwand dafür liefert ihm der Ausnahmezustand, mit dem er nun schon drei Jahre regiert. „Unter den mehr als 80.000 verhafteten jungen Männern sind auch tausende Unschuldige“, so Pater Maier. Die Haftbedingungen sind menschenunwürdig. Die Gefangenen litten Hunger, würden medizinisch nicht ausreichend versorgt und Folter sei an der Tagesordnung.

 

Kirche an der Seite der Armen, der Ausgegrenzten und der Weggesperrten

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt die Kirche und Menschenrechtsorganisationen in El Salvador dabei, die Gefangenen und ihre Angehörigen mit Lebensmittel- und Hygienepakten zu versorgen sowie durch Anwälte zu betreuen und vor Gericht zu vertreten. „Die Kirche gehört auch heute wieder zu den wenigen Instanzen, die an der Seite der Armen, der Ausgegrenzten und der Weggesperrten steht und für sie Partei ergreift“, erklärt der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Damit lebe die Kirche ihren christlichen Auftrag in der Nachfolge eines Óscar Romeros, der für Pater Martin Maier der Grund dafür war, vor 36 Jahren nach El Salvador zu gehen.

 

Das Wirken von Óscar Romero prägt die Menschen bis heute

 

„Auf der einen Seite habe ich ihn bewundert, weil er den Weg Jesu bis zur letzten Konsequenz gegangen ist, und auf der anderen Seite war ich entsetzt, dass ein Bischof während der Heiligen Messe ermordet wurde“, so der heutige Adveniat-Hauptgeschäftsführer. 1989 studierte er in El Salvador Theologie und musste miterleben, wie sechs Jesuiten sowie die Haushälterin und ihre Tochter ermordet wurden. Mehr als 70.000 Todesopfer hat der Bürgerkrieg bis 1992 in El Salvador gefordert. Für Pater Maier steht fest: „Wir brauchen heute dringender denn je einen neuen Óscar Romero, der gemeinsam mit den Menschen aufsteht – für Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für Demokratie.“

 

 

 

 

 

 

Pax Christi International

 

18. März 2025

 

JETZT IST ES ZEIT FÜR FRIEDEN

 

Israels Bruch des Waffenstillstands im Gazastreifen durch seinen nächtlichen Angriff hat zu weiteren Toten und Zerstörung geführt und das Leid unschuldiger Zivilisten verschlimmert. Dies stellt eine unverantwortliche Verletzung der Bedingungen des Waffenstillstands dar. Über 400 Palästinenser wurden getötet und unzählige weitere verletzt, während sie den heiligen Monat Ramadan feierten.

Darüber hinaus bleibt die Geiselnahme weiterhin ein dringendes Problem. Das Forum für Geiseln und vermisste Familien hat die erneuten Angriffe auf Gaza verurteilt und erklärt, dass die Behauptung, der Krieg werde für die Freilassung der Geiseln fortgesetzt, völlig irreführend sei und der militärische Druck Israels die Geiseln gefährde. „Wir müssen zum Waffenstillstand zurückkehren.“ Dies fügt der bereits schrecklichen Situation eine weitere schmerzhafte Dimension hinzu, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass den Verhandlungen über die zweite und dritte Phase der Waffenstillstandsgespräche volle Aufmerksamkeit geschenkt und diese umgesetzt werden, um ihre sichere Rückkehr zu gewährleisten.

Seit 16 Tagen blockiert Israel auch illegal die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter nach Gaza. Ausgehungert werden die Menschen in Gaza nicht nur durch die Gewalt, sondern auch durch die Verweigerung von Wasser, Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen lebensnotwendigen Gütern. Diese vorsätzliche humanitäre Krise ist ein Affront gegen die Menschenrechte und die Menschenwürde und eine bewusste Missachtung des humanitären Völkerrechts.

Unterdessen kommt es im Westjordanland zu vermehrter Gewalt durch israelische Soldaten und Siedler gegen palästinensische Gemeinden, darunter Razzien, Hauszerstörungen, Zerstörung von Olivenhainen, Entführungen sowie die Tötung und Verwundung vieler Frauen, Männer und Kinder.

Diese Eskalation hat die ohnehin schon fragile Situation noch weiter verschlechtert. Die jahrzehntelange Besetzung durch Israel, die systematischen Verstöße gegen das Völkerrecht und die anhaltende Unterdrückung des palästinensischen Volkes sind nicht zu übersehen. Wir werden daran erinnert, dass nur Gerechtigkeit, Dialog und Achtung der Menschenwürde zu einem dauerhaften und gerechten Frieden führen können.

Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft angesichts dieser anhaltenden Verstöße setzt den Kreislauf von Gewalt und Unterdrückung fort.

Wir fordern alle beteiligten Parteien auf, die Waffenruhe wiederherzustellen und sie sowie die unterzeichneten Vereinbarungen zu respektieren.

Wir fordern die Entscheidungsträger weiterhin auf, das Völkerrecht über ihre eigenen Interessen zu stellen.

Wir beten für einen gerechten Frieden und fordern die internationale Gemeinschaft auf, mutig und entschlossen zu handeln und ein sofortiges Ende der Blockade, ein Ende der Gewalt und ein erneutes Engagement für die Umsetzung der Menschenrechte für alle zu fordern.

 

 

 

 

 

G20: Mehr als 100 weltweite Religionsführer fordern Finanzminister auf, die Schuldenkrise im Jubiläumsjahr zu beenden

 

26. Februar 2025


 

125 religiöse Führer aus allen Kontinenten haben das Jubiläumsjahr der katholischen Kirche mit einem Appell an die Finanzminister der G20-Staaten begangen, sich für ein Ende der Schuldenkrise einzusetzen, die die Bemühungen zur Armutsbekämpfung und zum Klimaschutz lähmt.

 

In einem Brief an die Finanzminister argumentieren die Religionsführer, dass der von der G20 im Jahr 2020 geschaffene „Gemeinsame Rahmen“ zur Umstrukturierung der Schulden einkommensschwacher Länder, die vom wirtschaftlichen Schock der Pandemie betroffen sind, „nicht in der Lage ist, rechtzeitig die angemessenen Vereinbarungen hervorzubringen, von denen Millionen von Leben und Existenzen abhängen.“

 

Ein entscheidender Faktor sei, so die Religionsführer, dass private Gläubiger die Verhandlungen mit Ländern mit niedrigem Einkommen „verzögern“ könnten, so dass die Regierungen mehr Geld für Schulden ausgeben müssten „als für Gesundheit, Bildung oder lebensrettende Klimamaßnahmen“.

 

Der Brief – unterzeichnet von Kardinälen, Bischöfen und Oberhäuptern religiöser Kongregationen sowie Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen – fordert die G20-Finanzminister, die im Jubiläumsjahr am 26. und 27. Februar in Johannesburg zusammentreffen, auf, durch die Schaffung eines „fairen und funktionierenden globalen Schuldensystems“ die „biblische Praxis der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Versöhnung“ zu verkörpern.

 

Dieser Aufruf ist besonders dringlich geworden angesichts der jüngsten britischen Kürzungen des Entwicklungshilfebudgets infolge der Einfrierung der USAID-Gelder. Großbritannien muss jetzt eine Schlüsselrolle spielen, um die dringend notwendige Finanzreform sicherzustellen, die mehr Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Klimaschutz ermöglicht.

 

Maria Finnerty, Chefökonomin des CAFOD, sagte: „Die Treffen der Finanzminister und Außenminister der G20 in dieser Woche in Kapstadt sind die ersten großen Treffen der G20-Regierungen in diesem entscheidenden Jubiläumsjahr. Im Rahmen der ersten afrikanischen Präsidentschaft der G20 fordern die Regierungen Südafrikas und anderer Länder des Südens Länder wie Großbritannien auf, ein funktionsfähigeres globales Schuldensystem zu schaffen, da die afrikanischen Länder mit Schuldenproblemen historischen Ausmaßes konfrontiert sind.

 

Als globale Schuldensupermacht, in der mehr als 90 % der Schulden von Ländern mit niedrigem Einkommen bei privaten Finanzunternehmen liegen, die englischem Recht unterliegen, muss die britische Regierung diese Woche Führungsstärke zeigen, indem sie die kraftvollen Worte religiöser Führer beherzigt, die eine sinnvolle Schuldenreform fordern. Es genügt nicht, an den Rändern herumzubasteln: Die Welt braucht funktionierende Mechanismen zur Schuldenbereinigung, die die Schulden auf ein wirklich tragbares Niveau reduzieren und räuberische und unverantwortliche Kreditvergabe und Kreditaufnahme verhindern.“

 

Die religiösen Führer aus Ländern wie Südafrika, Brasilien, den USA und Japan schreiben:

 

„Als religiöse Führer sind wir zutiefst beunruhigt über die Auswirkungen, die die aktuelle Schuldenkrise auf das Leben der Ärmsten und Verletzlichsten auf der ganzen Welt hat.

„Umschuldungen im Rahmen des [gemeinsamen Rahmens] dauern dreimal länger als frühere Verfahren, während private Gläubiger – die heute die weltweit größte Gläubigergruppe darstellen – die Verhandlungen verzögern und höhere Rückzahlungen verlangen können, als sich die Schuldnerländer leisten können.

„Dies führt dazu, dass ihre Bürger Hunger, keinen Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen, eine bröckelnde Infrastruktur und die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise ertragen müssen.“

Die Religionsführer fordern in den wichtigsten G20-Ländern Gesetze, um „sicherzustellen, dass sich private Kreditgeber am Schuldenerlass beteiligen und die Zahlungen an private Kreditgeber während der Verhandlungen aussetzen.“

Die Religionsführer bezeichnen das Jubiläumsjahr, das die katholische Kirche im Jahr 2025 feiert, als einen wichtigen Moment für die Finanzminister, mit „Mut, Solidarität und Mitgefühl“ zu handeln.

Die Unterzeichner des Briefes erkennen außerdem den Appell von Papst Franziskus an, dass sich die Entscheidungsträger im Jubiläumsjahr mit der globalen Schuldenkrise befassen sollen.

Der vollständige Brief folgt unten.

Brief globaler Religionsführer an die Finanzminister der G20 zur globalen Schuldenkrise

Sehr geehrte G20-Finanzminister,

In diesem Jubiläumsjahr 2025, einem Jahr der materiellen und spirituellen Befreiung, hat Papst Franziskus uns alle ermutigt, „Pilger der Hoffnung“ zu sein und uns damit einem der dringendsten Probleme zu widmen, mit denen wir konfrontiert sind: der akuten globalen Schuldenkrise.

Als religiöse Führer sind wir zutiefst beunruhigt über die Auswirkungen, die die aktuelle Schuldenkrise auf das Leben der Ärmsten und Schwächsten auf der ganzen Welt hat. Heute ist der Handlungsbedarf noch größer als beim letzten Jubilee-Jahr im Jahr 2000, als die erste Kampagne zum Schuldenerlass gestartet wurde: 3,3 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – leben heute in Ländern, die mehr für die Schuldentilgung ausgeben als für Gesundheit, Bildung oder lebensrettende Klimamaßnahmen.

Wir sind der Ansicht, dass der Gemeinsame Rahmen der G20 nicht in der Lage ist, rechtzeitig die angemessenen Vereinbarungen zu erzielen, von denen Millionen von Menschenleben und Existenzgrundlagen abhängen. Umschuldungen im Rahmen dieses Rahmens dauern dreimal länger als frühere Verfahren, während private Gläubiger – mittlerweile die größte Gläubigergruppe weltweit – Verhandlungen verzögern und höhere Rückzahlungen verlangen können, als sich die Schuldnerländer leisten können. Diese Ineffizienz und Ungerechtigkeit hat Länder, die dringend Hilfe benötigen, davon abgehalten, sich an dem Rahmen zu beteiligen. Ihre Bürger müssen Hunger, fehlenden Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen, bröckelnde Infrastruktur und die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise ertragen.

Wir brauchen ein gerechtes und funktionierendes globales Schuldensystem. Die Tradition des Jubeljahres fordert den Erlass von Schulden, die Rückgabe von Land und die Freilassung von Sklaven. Diese biblische Praxis verkörpert Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Versöhnung und bietet einen erneuerten Bund mit Gott und Harmonie innerhalb der Gemeinschaft. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze rufen wir Sie dazu auf:

Setzen Sie sich für einen Rahmen für einen Schuldenerlass ein, der die Schuldenzahlungen auf ein wirklich bezahlbares Niveau senkt, die Schuldenzahlungen während der Verhandlungen über den Schuldenerlass aussetzt, den Schuldnern vor der Antragstellung Zusicherungen eines ausreichenden Schuldenerlasses bietet und alle Kreditgeber zur Teilnahme verpflichtet.

Verabschieden Sie in wichtigen Rechtsräumen Gesetze, um sicherzustellen, dass private Kreditgeber am Schuldenerlass teilnehmen und die Zahlungen an private Kreditgeber während der Verhandlungen aussetzen.

Reformieren Sie die internationalen Finanzinstitutionen und stellen Sie sicher, dass die Schuldnerländer angemessen vertreten sind und dass Menschen- und Umweltrechte in die Bewertung der Schuldentragfähigkeit und die politischen Bedingungen einbezogen werden.

Unterstützen Sie die Schaffung einer UN-Schuldenkonvention, um Regeln zur Lösung/Bewältigung von Schuldenkrisen, zur verantwortungsvollen Kreditvergabe und -aufnahme und zur Einrichtung eines öffentlichen globalen Schuldenregisters zu vereinbaren, damit alle Kreditgeber und Kreditnehmer zur Verantwortung gezogen werden.

Mit diesen Schritten wird nicht nur die unmittelbare Schuldenkrise bewältigt, sondern auch der Grundstein für ein gerechteres und widerstandsfähigeres globales Finanzsystem gelegt. Als religiöse Führer fordern wir Sie auf, in diesem Jubiläumsjahr Pilger der Hoffnung zu sein und mit Mut, Solidarität und Mitgefühl zu handeln.

 

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören:

 

Kardinal Stephen Brislin, Erzbischof von Johannesburg; Präsident
Kardinal Vicente Bokalic Iglic CM, Erzbischof von Santiago del Estero; Mitglied des Dikasteriums für Evangelisierung,
Kardinal Jaime Spengler, OFM, Erzbischof von Porto Alegre; Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates,
Kardinal Carlos Aguiar Retes, Erzbischof von Mexiko; Primas von Mexiko
Kardinal Isao Kikuchi, SVD – Präsident, Caritas Internationalis; Erzbischof von Tokio
Rev. Dr. Anne Burghardt – Generalsekretärin, Lutherischer Weltbund
Bischof Susan C. Johnson – Nationalbischof, Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada
Reverend Dr. Setri Nyomi – Generalsekretär, Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen
Schwester Luzia Premoli, SMC – Provinzoberin, Comboni-Missionsschwestern, Provinz des französischsprachigen Afrikas
Schwester Teresa Hougnon – Präsidentin, Maryknoll-Schwestern
Hochwürden Anselmo Ribeiro, SVD – Generaloberer, Gesellschaft des Göttlichen Wortes
Herr Paul Chitnis Direktor, Jesuitenmissionen, Großbritannien
Bischof Brian McGee Bischof von Argyll and the Isles; Präsident der SCIAF UK
Bischof Stephen Wright Bischof von Hexham & Newcastle; Vorsitzende der CAFOD, Großbritannien
Dr. Christine Allen, Direktorin, CAFOD UK

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gaza: Humanitäre Organisationen fordern sofortige Maßnahmen zur Bewältigung der Krise

 

 

Churches for Middle East Peace (CMEP) ruft gemeinsam mit Dutzenden internationaler humanitärer Organisationen die internationale Gemeinschaft dringend dazu auf, sich der eskalierenden humanitären Krise in Gaza anzunehmen. Dies geschieht, nachdem Erkenntnisse belegen, dass die vom Internationalen Gerichtshof (IGH) vor einem Jahr vorgeschlagenen provisorischen Maßnahmen nicht umgesetzt wurden, was zu beispiellosem Leid unter den Palästinensern geführt hat.

 

Der gemeinsame Bericht enthüllt eine verheerende humanitäre Lage in Gaza. Unglaubliche 93 Prozent der befragten Hilfsorganisationen berichten von einer deutlichen Verschlechterung der Bedingungen der Hilfsempfänger im vergangenen Jahr. Die anhaltende Krise hat Millionen Palästinenser ohne Zugang zu Grundbedürfnissen wie Nahrung, sauberem Wasser, Unterkunft und Gesundheitsversorgung zurückgelassen.

 

Die von den israelischen Behörden verhängten strengen Beschränkungen haben die Situation noch verschärft. Fast 89 Prozent der Hilfsorganisationen berichten von zunehmenden Hindernissen bei der Einfuhr humanitärer Hilfsgüter, was ihre Fähigkeit, lebenswichtige Hilfe zu leisten, erheblich beeinträchtigt. Obwohl der jüngste Waffenstillstand es einigen Hilfslastwagen ermöglichte, Gaza zu erreichen, dokumentiert der Bericht, dass diese Bemühungen weit unter dem Niveau liegen, das erforderlich wäre, um den dringendsten Bedarf der Bevölkerung zu decken.

Die Blockade hat katastrophale Auswirkungen auf die Existenzgrundlagen. So haben beispielsweise 83 Prozent der lebensnotwendigen Nahrungsmittelhilfe Gaza nicht erreicht, so dass viele Bewohner mit nur einer Mahlzeit jeden zweiten Tag auskommen müssen. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ebenso katastrophal: Die Verfügbarkeit ist auf lediglich 4,74 Liter pro Person und Tag gesunken – weit unter dem international anerkannten Notfallstandard. Dieser Mangel hat zu weit verbreiteter Unterernährung und einem hohen Risiko ansteckender Krankheiten geführt.

Das Ausmaß der Vertreibung und Zerstörung ist beispiellos. Militärische Offensiven und Zwangsumsiedlungen haben 90 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens betroffen und 1,6 Millionen Menschen in Notunterkünfte gezwungen. Ganze Stadtteile wurden in Schutt und Asche gelegt und wichtige Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser und Wassersysteme wurden systematisch zerstört. Aufgrund dieser Zerstörung sind die Bewohner des Gazastreifens rauen Wetterbedingungen ausgesetzt und haben keinen Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen.

 

Rev. Dr. Mae Elise Cannon, Exekutivdirektorin des CMEP, betonte die Notwendigkeit einer dringenden Durchsetzung der vorläufigen Maßnahmen des Internationalen Gerichtshofs:
„Die systematische Verweigerung humanitärer Hilfe, die Zerstörung der Infrastruktur und die weitverbreitete Vertreibung verlangen Rechenschaft. Der jüngste Waffenstillstand gibt zwar Anlass zur Hoffnung, er kann jedoch die Verwüstung und das menschliche Leid des letzten Jahres nicht vergessen machen. Gerechtigkeit, Freiheit und Würde für die Palästinenser müssen im Mittelpunkt jeder langfristigen Lösung stehen.“

Der Bericht unterstreicht auch die rechtlichen Verpflichtungen der internationalen Gemeinschaft gemäß Artikel 1 der Genfer Konventionen und der Völkermordkonvention, Gräueltaten zu verhindern und zu bekämpfen. Anhaltende Untätigkeit birgt die Gefahr der Mittäterschaft bei Verstößen gegen das Völkerrecht und ermutigt zu weiteren Verstößen.

CMEP fordert zusammen mit der Koalition humanitärer Organisationen die sofortige Durchsetzung der vorläufigen Maßnahmen des Internationalen Gerichtshofs, um ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten und das Leben von Zivilisten zu schützen. Darüber hinaus muss die internationale Gemeinschaft Rechenschaftsmechanismen einrichten, um Kriegsverbrechen, Völkermord und andere Menschenrechtsverletzungen in Gaza zu bekämpfen. Anhaltender internationaler Druck ist unerlässlich, um die Ursachen des Konflikts anzugehen, einschließlich der Beendigung der Blockade und Besetzung Gazas.

 

Lesen Sie den Bericht hier: https://cmep.org/wp-content/uploads/2025/01/EN-Snapshot-9-Final.pdf

 

 

Bischöfe sagen, dass das

Friedensabkommen zwischen Israel und Gaza einen „unsicheren Weg“ für den Wiederaufbau ebnet

 

Von Charles Collins

Jan 24, 2025

LEICESTER, Vereinigtes Königreich – Eine Gruppe christlicher Führungspersönlichkeiten, die das Heilige Land besucht, sagt, sie „hoffen, dass ein fragiles Waffenstillstandsabkommen“ zwischen Israel und den Palästinensern hält.

Acht Bischöfe reisten vom 18. bis 23. Januar nach Jerusalem, um an der Holy Land Co-ordination teilzunehmen, einer Organisation, die im Jahr 2000 von der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales gegründet wurde. Sie waren im Heiligen Land anwesend, als Israel und die Hamas einen Waffenstillstand schlossen, um einen 15-monatigen Konflikt zu beenden.

Der Gaza-Krieg brach nach einem Überraschungsangriff militanter Hamas-Kämpfer am 7. Oktober 2023 aus, bei dem 1.200 Israelis getötet und mehr als 250 als Geiseln genommen wurden. Von den etwa 100 Geiseln, die sich noch in Gaza befinden, wird nach Angaben der israelischen Streitkräfte ein Drittel für tot gehalten.

Israel startete sofort eine Vergeltungsoffensive in Gaza, um die Hamas von der Führung zu verdrängen. Der darauffolgende Konflikt forderte nach palästinensischen Schätzungen über 40.000 Menschenleben in Gaza.

Die Bischöfe sagten, sie seien als „Pilger der Hoffnung“ ins Heilige Land gekommen.

„Wir sind in der Hoffnung gekommen, dass ein fragiles Waffenstillstandsabkommen, das während unserer Reise angekündigt wurde, Bestand haben wird„, sagten sie in einer Erklärung am Donnerstag.

“Wir sind mit der Erwartung gekommen, dass diejenigen in Israel und Palästina, die unter den Gräueltaten von Gewalt und Krieg gelitten haben, ihr zerstörtes Leben wieder aufbauen können, um den Verlust ihrer Angehörigen zu betrauern, als Familien wieder zusammenzukommen und den langen, ungewissen Weg der Genesung zu beschreiten“, fuhren sie fort.

Der Moderator der Koordinierungsgruppe für das Heilige Land ist Bischof Nicholas Hudson, Weihbischof von Westminster in London. Weitere katholische und nicht-katholische Bischöfe kamen aus ganz Europa und den Vereinigten Staaten.

In der Erklärung brachten die Kirchenführer ihre „Freude über die Rückkehr der israelischen Geiseln und die Freilassung der palästinensischen Gefangenen“ zum Ausdruck, „getrübt durch das Wissen, dass so viele nicht zurückkehren werden: Geiseln, Gefangene, unzählige Tote.“

„Wir stellen eine weit verbreitete Besorgnis über die Fragilität des Waffenstillstands fest; dass er zwar eine Atempause bringen mag, aber nicht den anhaltenden und dauerhaften Frieden, nach dem das Heilige Land schreit. Ein Online-Treffen mit dem Pfarrer der Holy Family Parish in Gaza hat uns die Verwüstung vor Augen geführt, unter der die gesamte Bevölkerung leidet“, so die Kirchenführer.

In der Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass über die Auswirkungen des Krieges auf das Westjordanland selten berichtet wird, und die Bischöfe hatten die Gelegenheit, die Christen im Westjordanland zu besuchen.

„Vielen Dank für den überaus großzügigen Empfang, den Sie uns bereitet haben; dafür, dass Sie uns geholfen haben, die außerordentlichen Anstrengungen zu verstehen, die in den Bereichen Gesundheitswesen und Bildung unternommen werden, um die Würde all derer zu wahren, die im Westjordanland leben„, sagten die Bischöfe.

“Ihre Gemeinden sind ein Licht in der Dunkelheit eines leidenden Landes. Wir waren bewegt zu hören, wie oft Christen ihr Engagement zum Ausdruck brachten, zu bleiben und das Leben ihres Volkes wieder aufzubauen“, heißt es in der Erklärung weiter.

„Wir danken Ihnen auch dafür, dass Sie uns an all Ihren Problemen teilhaben lassen: Die strengen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die plötzlichen Straßensperrungen, die kurze Strecken um Stunden verlängern und so das normale Alltagsleben, vor allem aber die dringend benötigte medizinische Versorgung, behindern, der Mangel an Wasser und Strom, die Unmöglichkeit, neue Gebäude zu errichten, die hohe Arbeitslosigkeit, nachdem so viele Arbeitserlaubnisse mit Beginn des Krieges aufgehoben wurden. Wir haben erkannt, dass die jeweiligen Regierungen zusammenarbeiten müssen, um diese lebenswichtigen Probleme zu lösen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Die Bischöfe erwähnten auch die israelischen Siedlungen im Westjordanland. In der Region gibt es über 100 israelische Siedlungen, in denen über 450.000 Menschen leben. Darüber hinaus leben 220.000 Israelis in Ostjerusalem, einem Gebiet, das von den Palästinensern beansprucht, aber nach dem Sechstagekrieg 1967 von Israel annektiert wurde. Die Annexion wird von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt, während der Vatikan seit langem ein „international garantiertes Sonderstatut“ für Jerusalem unterstützt.

„Wir haben gesehen, wie Siedlungen, die nach internationalem Recht illegal sind und einst Enklaven waren, gewachsen sind, um Sie zu umgeben und nun Ihre Gemeinden zu Enklaven zu machen“, so die Koordinierungsstelle für das Heilige Land.

Auch nach dem Waffenstillstand in Gaza hat Israel seine Militäroperationen im Westjordanland fortgesetzt, wobei bei Luftangriffen in Dschenin diese Woche angeblich mindestens zehn Menschen getötet wurden.

"Wir hören Ihren Ruf nach Frieden in Gerechtigkeit und Ihre Sorge darüber, was passieren wird, wenn der Fokus von Gaza weggeht; was mit Ihrem Land passieren wird. Es ist eindeutig notwendig, dass die internationale Gemeinschaft gemeinsam handelt, um eine realistische und radikale Entwicklungshilfe zu ermöglichen, als Teil eines Prozesses zur Erreichung eines dauerhaften Friedens„, heißt es in der Erklärung.

“Wir sind gekommen, um Ihnen zu sagen, dass Sie nicht allein sind; dass Sie nicht vergessen sind. Ihr Glaube und Ihre Widerstandsfähigkeit stärken unseren eigenen Glauben. Wir hoffen, dass unser Kommen unter Ihnen Sie ermutigt und Christen aus unseren verschiedenen Ländern dazu inspiriert, als Pilger ins Heilige Land zurückzukehren“, so die Bischöfe weiter.

Sie äußerten auch die Hoffnung, dass Pilger nicht nur die heiligen Stätten in Jerusalem, Galiläa und Bethlehem besuchen, „sondern auch Gemeinden wie Aboud, Ephraim-Taybeh und Ramallah besuchen, damit auch sie sich von Ihrer Treue zu dem Land, in dem Jesus geboren wurde, inspirieren lassen können.“

Der Krieg zwischen Israel und Gaza hat sich stark auf die Zahl der Pilger ausgewirkt, die das Heilige Land besuchen, und schadet der örtlichen christlichen Gemeinschaft, die größtenteils im Pilgerbereich tätig ist.

 

 

 

 

 

Weihnachtsbotschaft des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem

 

Quelle: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

 

Die Geburt des Herrn steht vor der Tür, und wie jedes Jahr möchten wir trotz allem, dass es ein Moment des Friedens, der Freude und der Hoffnung wird. Dieses Jahr markiert das Weihnachtsfest auch den Beginn des Jubiläumsjahres, eines Jahres, das der Hoffnung gewidmet ist. Wir brauchen Hoffnung in diesem Land, das von so viel Gewalt und Hass geprägt und von Verachtung und Angst verwundet ist.

 

Die im Evangelium erwähnten Hirten von Bethlehem zeigen uns, wie wir Hoffnung finden können.

 

Der Engel, der den Hirten die Geburt Jesu verkündet, verwendet einen bedeutungsvollen Ausdruck: Er sagt, dass in Bethlehem ein Erlöser geboren wurde, und dass dieser Erlöser „für euch“ geboren wurde (Lk 2,11). Das Leben Jesu beginnt als ein Leben für andere. Er ist nicht gekommen, um Verpflichtungen aufzuerlegen, wie die Herrscher der Erde, wie Kaiser Augustus, der alle zwang, sich in eine Volkszählung eintragen zu lassen (Lk 2,1-3). Jesus ist gekommen, um ein Zeichen zu sein: „Und das soll euch ein Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt ist“ (Lk 2,12). Ein Zeichen der Nähe, des Friedens und einer erneuerten Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Ein Zeichen in einer Krippe, in der Nahrung gegeben wird, in der Stadt Bethlehem, was „Haus des Brotes“ bedeutet. Ein Zeichen, das den Hunger nach Leben nährt.

 

Die gesamte Existenz Jesu bis zum Ende wird ein Leben sein, das er für andere hingibt, bis er selbst zum Brot wird, das wiederum „für euch“ angeboten wird (Lk 22,19).

 

Den Hirten wird gesagt, dass der Erlöser für sie geboren wurde, genau für sie. Ein Erlöser ist gekommen, und er ist für euch gekommen. Und für euch gibt es das Zeichen eines Babys, das in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt wird.

 

Sein Kommen ist kein allgemeines, er begegnet niemandem persönlich. Er kommt, um jeden persönlich zu treffen, denn das ist die Erlösung: eine persönliche Begegnung, eine echte und lebendige Beziehung.

 

Das Evangelium sagt uns auch, dass es für dieses wichtige Ereignis in der Geschichte, die Geburt des Erlösers, keinen Platz gibt: „Sie legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Jesus tritt so in die Geschichte ein, als einer, der keinen Platz findet, der sich nicht aufdrängt, der keine Forderungen stellt, der keinen Krieg führt, um einen Platz zu finden. Er akzeptiert, keinen Platz zu haben, und macht sich auf die Suche nach all jenen, die wie er keinen Platz in der Geschichte haben, wie die Hirten. Jesus kommt für sie, das Zeichen ist für sie, es ist das Zeichen dafür, dass der Erlöser uns vor dem Unglück retten will, keinen Platz zu haben. Er selbst, sein Leben, wird zum Zuhause, zum Raum für all jene, die keinen Platz haben.

 

Wie können wir nicht an die vielen Ausgegrenzten denken, für die es scheinbar keinen Platz auf der Welt gibt, und auch nicht an unsere vielen Brüder und Schwestern in diesem gequälten Heiligen Land, für die es scheinbar keinen Platz, keine Würde und keine Hoffnung gibt?

 

Auf die Ankündigung des Engels muss eine Antwort folgen. Eine Entscheidung: die Einladung des Engels, zum Erlöser zu gehen, anzunehmen oder nicht.

 

Die Antwort ist nicht offensichtlich. Herodes rührt sich nicht, die Ältesten von Jerusalem rühren sich nicht (Mt 2,1-12).

Jesus kommt, aber er zwingt niemanden, sich auf den Weg zu ihm zu machen. Er verhält sich nicht wie Kaiser Augustus, der alle zwingt, sich zur Volkszählung eintragen zu lassen (Lk 2,1-3).

 

Jesus lässt uns frei. Er gibt uns ein Zeichen, aber dann überlässt er es unserer Freiheit.

 

Weihnachten ist die Zeit der Entscheidung, ob man sich auf die Reise zu dem Einen, der kommt, macht oder nicht.

Auch dieses Weihnachtsfest bietet sich uns die Gelegenheit, demjenigen Platz zu machen, der keinen Platz findet, und zu entdecken, dass Er selbst unser Weg, unser Zuhause, unser gutes Brot und unsere Hoffnung ist.

+Pierbattista

 

 

 

Patriarchen des Heiligen Landes fordern Weihnachtswaffenstillstand im gesamten Nahen Osten

 

Von Elise Ann Allen

17. Dez. 2024

|Leitender Korrespondent

Patriarchen des Heiligen Landes fordern Weihnachtswaffenstillstand im gesamten Nahen Osten

Eine Installation einer Szene der Geburt Christi mit einer Figur, die das Jesuskind symbolisiert, das in den Trümmern liegt, in Anlehnung an Gaza, in der evangelisch-lutherischen Kirche in der Westjordanlandstadt Bethlehem, Sonntag, 10. Dezember 2023. (Quelle: AP Photo/Mahmoud Illean.)

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ROM: In ihrer diesjährigen Weihnachtsbotschaft brachten die Kirchenführer und Patriarchen von Jerusalem ihre Dankbarkeit für den kürzlich vereinbarten Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon zum Ausdruck und riefen dazu auf, den Waffenstillstand auf die gesamte Region auszuweiten.

 

In ihrer am 13. Dezember veröffentlichten Weihnachtsbotschaft 2024 dankten die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem Gott „für den jüngsten Waffenstillstand zwischen den beiden Kriegsparteien in unserer Region und fordern seine Ausweitung auf Gaza und viele andere Orte, um den Kriegen, die unseren Teil der Welt heimsuchen, ein Ende zu setzen.“

 

Am 27. November unterzeichneten Israel und der Libanon gemeinsam mit mehreren anderen vermittelnden Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, ein Waffenstillstandsabkommen, nachdem es im Oktober im Zuge der gestiegenen Spannungen im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg zu einem Konflikt zwischen Israel und den Hisbollah-Streitkräften gekommen war.

 

Die anhaltenden Angriffe in bestimmten Gebieten stellen jedoch die Stabilität des Waffenstillstands in Frage, da sich beide Seiten gegenseitig wiederholte Verstöße vorwerfen und Vermittler versuchen, das fragile Abkommen aufrechtzuerhalten.

 

Unterdessen hat der anhaltende Krieg im Gazastreifen, der durch einen Überraschungsangriff von Hamas-Kämpfern auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst wurde, nach Angaben von Gesundheitsbehörden zum Tod von über 45.000 Palästinensern geführt.

 

Da die Zahl der Todesopfer infolge anhaltender Kämpfe und einer sich verschärfenden humanitären Krise weiter steigt, haben Vermittler wie Katar, Ägypten und die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen verstärkt, einen Waffenstillstand im Gazastreifen auszuhandeln.

 

Israel hat zugesagt, seine Offensive fortzusetzen, bis alle während des Anschlags im Oktober 2023 entführten Geiseln freigelassen und die Hamas vollständig von der Macht verdrängt ist. Bei dem Anschlag kamen 1.200 Menschen ums Leben und über 250 wurden entführt.

 

Palästinensische Gesundheitsbehörden haben erklärt, dass die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen mittlerweile 45.028 erreicht habe, die meisten davon Zivilisten, und dass seit Beginn des Krieges im vergangenen Herbst etwa 106.962 Menschen verletzt worden seien.

 

Die tatsächliche Zahl der Opfer liege jedoch vermutlich noch höher, sagen Beamte, da viele noch immer unter Trümmern begraben seien, in Gebieten, zu denen Ärzte derzeit keinen Zugang hätten.

 

In ihrer Weihnachtsbotschaft konzentrierten sich die Kirchenführer des Heiligen Landes auf das Licht, das durch die Geburt Jesu in die Welt kam, und sagten, Jesus sei „das wahre Licht, das in der Dunkelheit leuchtet“.

 

Sie bekundeten ihre Entschlossenheit, diese Botschaft ihrem Volk auch weiterhin zu predigen, „inmitten dieser dunklen Tage anhaltender Konflikte und Unsicherheit in unserer Region“.

 

„Bei der Geburt Christi kam das Licht der Erlösung Gottes erstmals in die Welt und erleuchtete alle, die es damals wie heute empfingen, und bot ihnen ‚Gnade über Gnade‘, um die dunklen Mächte des Bösen zu überwinden, die unablässig Pläne schmieden, um die Zerstörung von Gottes Schöpfung herbeizuführen“, sagten sie.

 

Dieses Licht Christi, sagten sie, sei zuerst ihren geistigen Vorfahren aufgegangen, „die die Botschaft der Erlösung empfingen, als sie ‚in der Region und im Schatten des Todes‘ lebten.“

 

„Sie erduldeten viele Strapazen und gaben schließlich das heilige Licht der Auferstehung Christi weiter und wurden seine Zeugen in Jerusalem, im gesamten Heiligen Land und bis an die Enden der Erde“, sagten sie.

Dieser Weg des Lichts und der Erlösung, so die Kirchenführer, sei kein Relikt der Vergangenheit, sondern „führt uns zurück in unsere Zeit, in der noch immer Kriege wüten und unzählige Millionen Menschen in unserer Region und auf der ganzen Welt weiterhin schmerzlich leiden.“

 

„Äußerlich scheint sich wenig geändert zu haben. Doch innerlich löste die heilige Geburt unseres Herrn Jesus Christus eine spirituelle Revolution aus, die weiterhin unzählige Herzen und Gedanken auf den Weg der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und des Friedens führt“, sagten sie.

 

Für die Familien, die sich trotz des anhaltenden Krieges entschieden haben, im Heiligen Land zu bleiben, und für diejenigen, die sich trotz der Gewalt der Gemeinschaft angeschlossen haben, sei es eine Ehre, dort zu sein, sagten die Kirchenführer der Region.

 

„Es ist unser Privileg, weiterhin das heilige Licht Christi an genau den Orten zu bezeugen, an denen er geboren wurde, sein Wirken verrichtete, sich für uns hingab und siegreich aus dem Grab zu einem neuen auferstandenen Leben auferstand“, sagten sie.

 

Sie sagten, sie verbreiteten diese Botschaft, indem sie Gott an den heiligen Stätten anbeteten, Pilger aus Vergangenheit und Gegenwart willkommen hießen und allen, denen sie begegneten, das Evangelium verkündeten. Gleichzeitig vollbrachten sie Werke der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit und setzten sich für „die Befreiung der Gefangenen und die Freilassung der Gefangenen“ ein.

 

Neben dem Aufruf zu einem regionalen Waffenstillstand zu Weihnachten baten die Kirchenführer auch um „die Freilassung aller Gefangenen und Gefangenen, die Rückkehr der Obdachlosen und Vertriebenen, die Behandlung der Kranken und Verwundeten, die Hilfe für die Hungernden und Durstigen, die Rückgabe zu Unrecht beschlagnahmten oder bedrohten Eigentums und den Wiederaufbau aller öffentlichen und privaten zivilen Gebäude, die beschädigt oder zerstört wurden.“

 

Sie riefen Christen und alle Menschen guten Willens dazu auf, sich ihnen während der Weihnachtszeit und darüber hinaus im Gebet und in der Arbeit „für diese edle Mission anzuschließen, sowohl in der Heimat Christi als auch überall dort, wo es Konflikte und Unruhen gibt“.

 

„Denn indem wir dies gemeinsam tun, werden wir den Fürsten des Friedens, der vor mehr als zwei Jahrtausenden in so bescheidener Umgebung in einem Stall in Bethlehem geboren wurde, wahrhaftig ehren“, sagten sie.

 

Folgen Sie Elise Ann Allen auf X: @eliseannallen

 

 

 

Friedensbotschaft des Papstes: Schulden erlassen und Herzen abrüsten

 

Auslandsschulden sind ein perfides Kontrollinstrument reicher Nationen, um die Ressourcen von ärmeren Ländern auszubeuten. Das Heilige Jahr bietet jedoch eine gute Gelegenheit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Das ist der Tenor der Friedensbotschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1. Januar, die der Vatikan vorab an diesem Donnerstag veröffentlicht hat.

 

Papstbotschaft zum Weltfriedenstag: Wortlaut

12/12/2024

 

Papstbotschaft zum Weltfriedenstag: Wortlaut

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

 

In dem Text macht der lateinamerikanische Papst drei konkrete Vorschläge. Zum einen fordert er einen Nachlass oder eine vollständige Streichung von Auslandsschulden für arme Länder; stattdessen sollten die entwickelten Staaten sich zu ihren „ökologischen Schulden“ bekennen. Zweitens tritt Franziskus für eine völlige Abschaffung der Todesstrafe ein - und für eine Art Charta des Respekts vor dem menschlichen Leben. Drittens schlägt er vor, „wenigstens einen festen Prozentsatz des Rüstungsetats für die Einrichtung eines Weltfonds zu verwenden“. Dieser solle dazu dienen, „den Hunger endgültig zu beseitigen und in den ärmsten Ländern Bildungsmaßnahmen zu ermöglichen“.

 

Drei konkrete Vorschläge

 

Die Botschaft, die der Papst jedes Jahr zum kirchlichen Welttag des Friedens am 1. Januar verfasst, ist regelmäßig seine wichtigste und umfassende Äußerung zum Thema Krieg, Frieden, Menschenrechte. Franziskus pflegt diese Friedensbotschaften internationalen Gästen zu überreichen. Diesmal stehen der Weltfriedenstag und damit auch seine Botschaft unter dem Motto „Vergib uns unsere Schuld, schenke uns deinen Frieden“.

 

Franziskus geißelt mit einem Begriff des hl. Johannes Pauls II. „Strukturen der Sünde“, die sich „gewissermaßen verfestigt haben und auf einer weitreichenden Komplizenschaft beruhen“. Er zählt auf, was er damit meint: Anheizen kriegerischer Konflikte, unmenschliche Behandlung von Migranten, Umweltverschmutzung, Fake News, Aufrüstung. „Dies alles sind Faktoren, die eine reale Bedrohung für die Existenz der gesamten Menschheit darstellen.“ Ihnen müsse man sich nicht nur mit wohltätigen Maßnahmen hier und da, sondern mit „kulturellen und strukturellen Veränderungen“ entgegenstemmen.

 

Für eine „Abrüstung des Herzens“

 

Mit deutlichen Worten verdammt der Papst eine „Logik der Ausbeutung“, die gleichermaßen zu Auslandsschulden wie zu ökologischen Schulden führe. Er fordert eine „Entwaffnung“ und „Abrüstung des Herzens“; der Schrei der Armen nach Gerechtigkeit und Solidarität müsse endlich gehört werden, gerade im bevorstehenden Heiligen Jahr. Wirklicher Friede entstehe nicht aus den „Spitzfindigkeiten von Verträgen oder menschlichen Kompromissen“.

 

„Wirklicher Friede entsteht nicht aus Spitzfindigkeiten von Verträgen“

 

Die Papstbotschaft endet mit einem Gebet, das die angesprochenen Themen noch einmal antippt. „Vergib uns unsere Schuld, Herr, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und schenke uns in diesem Kreislauf der Vergebung deinen Frieden, jenen Frieden, den nur du geben kannst: denen, die ihr Herz entwaffnen lassen, denen, die voller Hoffnung ihren Brüdern und Schwestern die Schulden nachlassen wollen, denen, die furchtlos bekennen, dass sie bei dir in Schuld stehen, denen, die nicht taub bleiben für den Schrei der Ärmsten.“

(vatican news)

 

 

 

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Den Christen im Heiligen Land zuhören

 

Ellen Teague

 

29. November 2024

 

 

Ein internationales Publikum von rund 200 Menschen hörte am 27. November in Bewunderung und Stille zu, als Pater Gabriel Romanelli, Pfarrer der Pfarrei der Heiligen Familie in Gaza, und Sami El-Yousef, Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem und erster Laie in diesem Amt, in einem Live-Webinar über ihre Erfahrungen im Heiligen Land im vergangenen Jahr sprachen. In den letzten 24 Stunden des Israelisch-Palästina-Konflikts hatte es in Gaza 33 Todesopfer gegeben.

 

Sie teilten ihre Kämpfe, Hoffnungen und Widerstandskraft in einer Online-Veranstaltung, die von Pax Christi England und Wales, Pax Christi International und Passionisten organisiert wurde. Gemeinsame Vorsitzende waren Ann Farr von Pax Christi und Paschal Somers von den Passionisten.

 

Im Chat kamen unter anderem folgende Kommentare: „Was für ein großes Privileg, Sie heute zu sehen und zu hören. Ich schaue mir jeden Tag die Facebook-Seite der Heiligen Familie an und bin von Ihrer inspirierenden Widerstandskraft völlig überwältigt.“

 

Pater Gabriel sprach von der „sehr wichtigen Mission“ der Pfarrei der Heiligen Familie in Gaza, der einzigen katholischen Pfarrei. „Der Überlieferung zufolge reiste die Heilige Familie durch Gaza nach Ägypten und dann noch einmal auf der Rückreise nach Palästina, sie waren also mindestens zweimal hier“, sagte er. Heute leben im Gazastreifen etwa 650 Christen – die meisten von ihnen griechisch-orthodox – von der Gesamtbevölkerung der Enklave von 2,3 Millionen. Die griechisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Porphyrius liegt nur 400 Meter entfernt. „Wir teilen Nahrung und Medikamente“, sagte er; „also sind wir wirklich eine ökumenische Pfarrei.“ Und es bestehen enge Verbindungen zur mehrheitlich muslimischen Bevölkerung Gazas, insbesondere zu denen, die in der Nähe der Pfarrei leben.

 

Die Pfarrei Heilige Familie war seit Beginn des Konflikts im Oktober 2023 für Hunderte von Menschen Zufluchtsort. Diese Zahl stieg später noch, als Christen aus der Kirche St. Porphyrius aufgenommen wurden, nachdem diese drittälteste Kirche der Welt zweimal bombardiert worden war und Zivilisten getötet wurden, die dort Zuflucht suchten. Mit den Katholiken leben derzeit rund 500 Menschen in der Kirche Heilige Familie. Pater Gabriel berichtete, dass „wir hier drei Bombenanschläge hatten – vor allem im Mutter-Teresa-Haus –, aber Gott sei Dank wurden keine Kinder verletzt.“ Allerdings „sind wir in der Nähe von Bombenanschlägen und es liegen oft Granatsplitter herum.“ Seine Pfarrei verlor bei Angriffen ihren Generator und die meisten ihrer Solarmodule.

 

Es gibt offensichtlich keine oder kaum Heizungen in der Gemeinde. Während des Webinars zog Pater Gabriel seinen Mantel an, dann eine Wollmütze und wickelte sich einen dicken Schal um den Hals. Er erklärte, dass sich überall um ihn herum Familien für die Nacht niederließen. Auf der anderen Seite des Vorhangs hinter ihm wohnte eine Familie. „Jeder Platz ist belegt“, berichtete er.

 

Kommentar im Chat: „Für alle, die in den Kirchen Zuflucht suchen, und für diejenigen, die nirgendwo hin können, und für alle, die trauern. Herr, erbarme dich.“

 

Pater Gabriel wies darauf hin, dass Gaza schon vor dem aktuellen Krieg als Gefängnis bezeichnet wurde. „Das ist seit vielen Jahren Realität“, sagte er, „und jetzt ist der Gazastreifen ein Käfig, aus dem niemand herauskommt.“ Er berichtete, dass nur sehr wenige Menschen kommen und gehen können. Die Gemeinde hat im vergangenen Jahr 45 Menschen verloren, und zwei katholische Frauen, die in der Kirche Schutz gesucht hatten, wurden von einem Scharfschützen der israelischen Streitkräfte getötet.

Der Krieg zwischen Israel und Hamas hat seit Oktober 2023 in Gaza mehr als 44.000 Menschen das Leben gekostet, sagen palästinensische Gesundheitsbehörden.

 

Mehr als zwei Millionen Menschen in Gaza haben nicht genug zu essen. Pater Gabriel beschrieb das vergangene Jahr als „katastrophal“ und „es ist nicht einfach, wenn 500 Menschen zusammenleben“. Die Mehrheit der Menschen in der überfüllten Kirche „hat ihre Arbeitsplätze, ihre Straßen, alles verloren“. In Gaza-Stadt gibt es für 400.000 Menschen nur vier Bäckereien, daher ist der Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser sehr eingeschränkt. „Es ist sehr selten, dass die Leute Fleisch essen“, sagte er, „und wenn doch, dann Corned Beef, das schwer zu bekommen ist.“

 

Die Pfarrei hält täglich eine Messe mit Predigt ab, betet täglich den Rosenkranz und betet jeden Tag eine Stunde stille Anbetung. „Wir beten weiter und nähren die Hoffnung und versuchen, die Moral hochzuhalten, obwohl wir täglich von Bombenangriffen hören“, sagte er. „Unsere Mission umfasst die Betreuung aller Altersgruppen“, fügte er hinzu; „täglich besuchen wir Kranke und Alte und über 50 behinderte Kinder, die bei uns Zuflucht suchen.“ Das Pfarrzentrum für Jugendausbildung ist inzwischen geschlossen. Außerhalb der Pfarrei ist das anglikanische Krankenhaus von Gaza „für uns sehr wichtig.“

 

Kommentar im Chat: „Bitte geben Sie die Hoffnung nicht auf. Bitte bleiben Sie im Heiligen Land. Sie sind unsere Mutter Kirche. Hoffen wir, dass es so bald wie möglich zu einem Waffenstillstand kommt und auch humanitäre Hilfe geleistet wird.“

 

Sami El-Yousef ist ein „lebender Stein“. Seine Familie ist eine der ältesten christlichen Familien in Jerusalem und kann ihre Geschichte in der Region viele Jahrhunderte zurückverfolgen. Er gab einen Überblick über die Arbeit des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, das 60 Pfarreien und 44 Schulen mit 200.000 Katholiken in Israel, Palästina, Jordanien und Zypern betreibt.

 

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem startete im Mai 2024 eine groß angelegte humanitäre Nothilfeinitiative, um den dringendsten Bedarf der christlichen Gemeinde in Gaza zu decken. Es lieferte Nahrungsmittel – darunter frisches Obst und Gemüse – sowie Hygieneartikel. In diesem Monat leistete die Hilfsinitiative lebenswichtige Unterstützung für über 1.000 Familien aus der christlichen Gemeinde und den umliegenden Gebieten in der Nähe des Komplexes der Heiligen Familie.

 

In Bezug auf das Westjordanland sprach er über den Zusammenbruch der Pilgerfahrten/des Tourismus im vergangenen Jahr, der viele Existenzgrundlagen im Westjordanland sicherte. Außerdem „bekommen die Menschen keine Arbeitserlaubnis für Israel und Beamte im Westjordanland erhalten keine Gehälter“, sagte er. Man vermutet, dass Israel Geld zurückhält. Das Patriarchat unterstützt Zehntausende von Menschen, „gibt ihnen Nahrungsmittel, stellt Geld für Arbeit und Versorgungsleistungen zur Verfügung“, berichtete Sami. „Wir versuchen, den Menschen zu helfen, sich selbst zu versorgen“, und das Lateinische Patriarchat bittet derzeit um Spenden. Er erzählte den Zuhörern, dass die Siedlergewalt auf dem Land zugenommen habe, mit regelmäßiger Beschlagnahmung von Land und Schikanierung von Palästinensern.

 

Einige palästinensische Familien haben die Region verlassen. Doch trotz der Herausforderungen, sagte Sami, „sind wir hier, um zu bleiben, und es gibt Pläne, unsere Arbeit nach dem Krieg auszuweiten.“ Er meinte, dass palästinensische Christen „nach Toleranz, Frieden, Gerechtigkeit“ rufen und fügte hinzu: „Wo hört man das sonst noch?“

 

Kommentar im Chat: „Wie werden Sie Weihnachten feiern? Wie werden Sie die frohe Botschaft verkünden?“

 

Pater Gabriel berichtete, dass die Pfarrgemeinde Heilige Familie Weihnachtslieder mit Teenagern und Schokolade für alle Kinder plant. „Wir werden versuchen, zu feiern“, sagte er.

 

Letzte Woche haben die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem eine Erklärung zur Feier der religiösen Advents- und Weihnachtsfeiertage inmitten des anhaltenden Krieges abgegeben. Sie sagten: „Wir ermutigen unsere Gemeinden und Menschen, die Annäherung und Ankunft der Geburt Christi in vollem Umfang zu feiern, indem sie öffentliche Zeichen christlicher Hoffnung setzen. Gleichzeitig fordern wir sie auf, dies auf eine Weise zu tun, die den schweren Leiden Rechnung trägt, die Millionen Menschen in unserer Region weiterhin erleiden müssen. Dazu gehört sicherlich, sie ständig in unseren Gebeten zu unterstützen, ihnen mit Taten der Güte und Nächstenliebe zu begegnen und sie willkommen zu heißen, wie Christus selbst jeden von uns willkommen geheißen hat (Römer 15:7). Auf diese Weise werden wir die Weihnachtsgeschichte selbst widerspiegeln, in der die Engel den Hirten inmitten ähnlich dunkler Zeiten in unserer Region die frohe Botschaft von der Geburt Christi verkündeten (Lukas 2:8-20) und ihnen und der ganzen Welt eine Botschaft göttlicher Hoffnung und des Friedens überbrachten.“

 

Zu den britischen Teilnehmern des Webinars gehörten Mitglieder von Pax Christi England und Wales, „den Kirchen von Liverpool“, der Northumberland Justice & Peace Group und der Anglican Pacifist Fellowship UK. Die Palestinian Solidarity Campaign von Brighton und Hove sagte: „Wir denken jeden Tag an euch, wir senden Solidarität und Liebe, besonders in dieser Adventszeit.“ Aus Schottland: „Die Gebete von Pax Christi Scotland sind immer bei den Menschen in Gaza.“

 

Jan Sutch Pickard, ein Mitglied der Iona-Gemeinde, sagte: „Wir werden uns an alles erinnern, was Sie in der Iona-Abtei mit uns geteilt haben, und in dieser schrecklichen Situation erinnern uns die Zeugnisse daran, dass Gott immer noch gegenwärtig ist.“

 

Für Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, wird es wichtig sein, diese Solidarität bei seinem derzeitigen Besuch in Großbritannien zu spüren.

 

Unter den internationalen Zuhörern befanden sich Mitglieder von Pax Christi aus Uruguay, Deutschland, Kanada und den Vereinigten Staaten. „Wissen Sie, dass viele Menschen in Belgien jeden Tag an Sie denken und dass viele Menschen unsere Regierung zu einer härteren Haltung drängen. Unsere herzlichsten Solidaritätswünsche gelten Ihnen“, sagte Pax Christi Flandern. Caritas-Belgien: „Vielen Dank für die Organisation. Bitte übermitteln Sie der gesamten Gemeinschaft unsere Gedanken, unsere Solidarität und unsere Gebete. Wir versuchen unser Bestes, um Ihre Bemühungen durch Caritas Jerusalem zu unterstützen.“ Freunde und Gläubige der Zisterzienserabtei Gethsemani in Trappist, Kentucky, sagten: „Wir beten täglich für Sie und wünschen uns, dass andere in ganz Amerika wüssten und verstehen, was dort tatsächlich vor sich geht – Friede sei mit Ihnen!“

 

Die Salesianerinnen Don Boscos beschrieben, sie seien „mit euch allen im Gebet und durch unsere vielfältigen Opfergaben verbunden; wir stehen täglich in Kontakt mit unseren Schwestern, ihrem Volk und den jungen Menschen im Westjordanland, in Israel und im Libanon … wir beten und arbeiten mit ihnen … Danke für euren Mut und eure Kraft … Seid gesegnet … Wir sind bei euch allen!“ Das Netz-werk der Salesianerinnen Don Boscos sagte: „Möge die Welt zur Besinnung kommen – Salaam, Shalom, Pax“. Ein Vertreter der vinzentinischen Priester und Brüder betete: „Möge Gott Sie und Ihr Volk segnen, möge diese Tragödie bald enden, möge Frieden herrschen und damit neues Leben für alle.“

 

Zum Abschluss des Webinars wurde die Weihnachtsbotschaft der Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem vor einem Bild brennender Kerzen in der Geburtskirche in Bethlehem vor einer Ikone der Madonna mit Kind verlesen. Diese Veranstaltung war mehr als ein Aufruf zur Aufklärung; sie war eine Einladung zum Handeln, zum Beten und zur Solidarität mit den Palästinensern im Heiligen Land, die trotz aller Widrigkeiten weiterhin durchhalten, lieben und hoffen.

 

LINKS

Lateinisches Patriarchat von Jerusalem: www.lpj.org/en

Pax Christi International: https://paxchristi.net/

Pax Christi England und Wales: https://paxchristi.org.uk/

 

 

 

Religion im ORF

17. 11. 24

 

Krieg in Nahost

 

Papst für Prüfung der „Völkermord“-Vorwürfe gegen Israel

 

Papst Franziskus hat sich dafür ausgesprochen, die aktuellen Ereignisse im Gazastreifen eingehend zu untersuchen. „Nach Ansicht einiger Experten weist das Geschehen in Gaza die Merkmale eines Völkermords auf“, so Franziskus in einem neuen Buch. Das solle überprüft werden.

 

„Wir sollten sorgfältig prüfen, ob es in die von Juristen und internationalen Gremien formulierte technische Definition passt.“ Israel, dessen Kriegsführung gegen die Terrorgruppe Hamas im Gazastreifen manche Kritiker als Genozid bezeichnen, erwähnt der 87-Jährige nicht direkt. Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.

 

Franziskus äußerte sich in dem Buch „Hoffnung enttäuscht nie. Pilger auf dem Weg zu einer besseren Welt“ von Hernan Reyes Alcaide (Edizioni Piemme), aus dem die Zeitung „La Stampa“ und auch das vatikanische Nachrichtenportal Vatican News am Sonntag Auszüge veröffentlichten. Das Buch erscheint am Dienstag in Italien, Spanien und Lateinamerika, weitere Länder sollen folgen.

 

„Offene Wunde des Ukraine-Kriegs“

 

Der Papst spricht darin Themen wie Migration, Krieg und Klimakrise an. Gerade im Nahen Osten seien Millionen vor Konflikten in der Region geflohen, so der Papst. Er denke vor allem an die Menschen in Gaza, die ihr Gebiet inmitten einer Hungersnot verließen, weil es schwierig sei, Nahrungsmittel und Hilfe dorthin zu bringen.

Weiter verwies er auf die Lage in Europa. „Die immer noch offene Wunde des Krieges in der Ukraine hat vor allem in den ersten Monaten des Konflikts dazu geführt, dass Tausende Menschen ihre Häuser verlassen haben“, sagte Franziskus. „Aber wir haben auch die uneingeschränkte Aufnahme vieler Grenzländer erlebt, wie im Fall Polens.“

 

Mit Blick auf Nahost nannte er Jordanien und Libanon, die ihre Türen für Geflüchtete geöffnet hätten. Der Papst warb überdies für ein gerechteres Wirtschaftssystem, das insbesondere die Ausgangsländer der Hauptmigrationsströme einbeziehen müsse.

 

Angelus-Gebet: „Krieg macht uns unmenschlich“

 

Beim Sonntagsgebet auf dem Petersplatz rief der Papst zum Gebet für den Frieden in der „gequälten“ Ukraine, in Palästina, Israel, im Libanon, in Myanmar sowie im Sudan auf. „Krieg macht uns unmenschlich und führt dazu, dass wir inakzeptable Verbrechen dulden“, beklagte Franziskus. Die Regierungen müssten auf den Ruf der Menschen nach Frieden hören.

 

Der Papst warb am Ende des Angelusgebets außerdem für die Teilnahme am Gebetstag für Betroffene von Missbrauch, den die Kirche in Italien für Montag ausgerufen hat. „Jeder Missbrauch ist ein Vertrauensbruch, ein Lebensbruch“, betonte er. Das Gebet sei unerlässlich, um Vertrauen wiederzugewinnen.

Anlässlich des Welttags der Armen, zu dem der Papst am Vormittag eine Messe im Petersdom gefeiert hatte, rief er zu Spenden sowie zum Einsatz gegen Armut auf. Zudem erinnerte das Kirchenoberhaupt an Opfer von Verkehrsunfällen: „Beten wir für sie, für ihre Familien und setzen wir uns dafür ein, Unfälle zu verhindern.“

 

 

 

 

La Croix International - Seven Day Free Trail - Association Of Catholic  Priests

 

 

 

Gustavo Gutiérrez, „Vater“ der Befreiungstheologie, im Alter von 96 Jahren gestorben

 

Der peruanische Theologe Gustavo Gutiérrez, Begründer der Befreiungstheologie-Bewegung, die innerhalb der katholischen Kirche große Hoffnungen, aber auch Kontroversen auslöste, starb am 22. Oktober im Alter von 96 Jahren.

 

Von Vincent de Féligonde

(mit Martine de Sauto)

23. Oktober 2024 um 09:50 Uhr (Europa\Rom). Aktualisiert am 23. Oktober 2024 um 10:34 Uhr (Europa\Rom)

 

 

Der peruanische Priester und Theologe Gustavo Gutiérrez, der als „Vater“ der Befreiungstheologie gilt, starb am 22. Oktober im Alter von 96 Jahren. An seinem 90. Geburtstag im Jahr 2018 dankte Papst Franziskus dem Priester „für all Ihre Bemühungen und für Ihre Art, das Gewissen aller herauszufordern, damit niemand gleichgültig gegenüber der Tragödie der Armut und Ausgrenzung bleibt.“

 

Gutiérrez wurde am 8. Juni 1928 in Lima, Peru, in eine bescheidene Familie geboren. Als Teenager litt er an Osteomyelitis (Knocheninfektion), was ihn oft ans Bett fesselte und ihn dazu veranlasste, viel zu lesen, unter anderem Pascal, Giovanni Papinis „ Geschichte Christi“ und die Psychiater Karl Jaspers und Honorio Delgado. Nach seiner Genesung begann er, Medizin und Philosophie zu studieren, mit der Absicht, Psychiater zu werden.

 

Theologie an der Katholischen Universität Lyon

 

Als Mitglied der Katholischen Universitätsbewegung beschäftigten ihn jedoch „Fragen zu seinem Glauben“ und er beschloss im Alter von 24 Jahren, Priester zu werden. Sein Bischof, der ihn für zu alt für das Priesterseminar hielt, schickte ihn nach Europa. An der Katholischen Universität Löwen in Belgien lernte er Französisch und schrieb eine Dissertation über Freud, bevor er sein Studium der Theologie an der Katholischen Universität Lyon fortsetzte.

 

Dort traf er den Sulpizianer-Exegeten Albert Gelin sowie Theologen wie den Jesuiten Gustave Martelet und die Dominikanerin Marie-Dominique Chenu, die eine der Expertinnen des Zweiten Vatikanischen Konzils werden sollte. Er wurde auch von anderen Dominikanern beeinflusst, wie den Theologen Christian Duquoc und Claude Geffré sowie Louis-Joseph Lebret, der die Inspiration für die Enzyklika Populorum Progressio des heiligen Paul VI. aus dem Jahr 1967 war, in der es um die menschliche Entwicklung ging.

 

Wie sagt man den Armen, dass Gott sie liebt?

 

Gutiérrez wurde 1959 zum Priester geweiht und Vikar einer Pfarrei im armen Viertel Rimac in Lima. Gleichzeitig lehrte er an der Päpstlichen Universität in Peru und an verschiedenen Universitäten in Europa und Nordamerika. Eine Frage beschäftigte ihn ständig: Wie kann er den Armen sagen, dass Gott sie liebt?

 

Im Mai 1967, zwei Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, an dessen letzter Sitzung er teilgenommen hatte, wandte er sich mit dieser Frage an die Studenten der Universität Montreal und unterschied dabei zum ersten Mal drei Dimensionen der Armut: die reale, täglich erlebte Armut, die „kein Schicksal, sondern eine Ungerechtigkeit“ ist; die geistige Armut, „ein Synonym für geistige Kindschaft“, die „bedeutet, sein Leben Gott anzuvertrauen“; und die Armut als Verpflichtung, die „dazu führt, solidarisch mit den Armen zu leben, gemeinsam mit ihnen gegen die Armut zu kämpfen und von ihnen ausgehend das Evangelium zu verkünden“.

 

Das Leid der Armen berücksichtigen

 

Im darauf folgenden Jahr wurde er eingeladen, bei einer Konferenz in Peru über „Theologie der Entwicklung“ zu sprechen und erklärte, dass „eine Theologie der Befreiung angemessener sei“. Diese theologische Sprache, die das Leid der Armen berücksichtigt, inspirierte die Bischöfe, die sich in Medellín (Kolumbien) zur zweiten Konferenz des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) versammelten, um über die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu diskutieren.

 

Sie prangerten die „institutionalisierte Gewalt“ der Regime auf dem Kontinent an, trotz der starken katholischen Präsenz, und erkannten unter bestimmten Umständen die Legitimität revolutionärer Aufstände an. Zum ersten Mal bekräftigten sie die „vorrangige Option für die Armen“.

 

„Ein Zeichen der Zeit, das man genau untersuchen muss“

 

Im Mai 1969 besuchte Gutiérrez Brasilien, das damals die dunkelsten Stunden seiner Militärdiktatur durchlebte. Dort traf er Studenten, Aktivisten der Katholischen Aktion und Priester, deren Zeugnisse sein Denken bereicherten und in seinem bahnbrechenden Werk „ Eine Theologie der Befreiung: Geschichte, Politik und Erlösung“ (veröffentlicht 1971) gipfelten.

„Vor dem Konzil“, erklärte er, „hat Johannes XXIII. verkündet: Die Kirche ist und will die Kirche aller sein, und insbesondere die Kirche der Armen“, wie er 2012 gegenüber La Croix berichtete. „Einige von uns sahen darin ein Zeichen der Zeit, das einer genauen Prüfung bedarf, wie es die apostolische Konstitution Gaudium et Spes verlangt. Aufgrund meines Alters und meiner Anwesenheit beim Konzil und in Medellín wurde ich derjenige, der diese Theologie formulierte. Es hätte auch jemand anderes sein können.“

 

Kein politisches Programm

 

Die Befreiung, auf die sich Gutiérrez bezog, war kein politisches Programm. Sie wirkt auf drei miteinander verbundenen Ebenen: der wirtschaftlichen Ebene, die sich mit den Grundursachen ungerechter Situationen befasst; der menschlichen Ebene, die besagt, dass es nicht ausreicht, Strukturen zu ändern; auch die Menschen müssen sich ändern; und schließlich und am tiefgreifendsten die theologische Ebene, die die Befreiung von der Sünde beinhaltet, die darin besteht, Gott und seinen Nächsten nicht zu lieben.

 

Was die Theologie betrifft, so stellt sie sicher, dass die Beschäftigung mit den Armen eine evangelische Aufgabe der Befreiung ist, eine Antwort auf die Herausforderung, die Armut für die Sprache über Gott darstellt. In einer lateinamerikanischen Kirche mit Priestermangel brachte diese Bewegung, an der auch Theologen wie Leonardo Boff, Juan Luis Segundo und Pater Helder Camara teilnahmen, allein in Brasilien über 80.000 Basisgemeinden und mehr als eine Million Bibelstudiengruppen hervor. Und sie wurde auch anderswo ansteckend: Unter den schwarzen Minderheiten in den Vereinigten Staaten, in Afrika und Asien begannen Dritte-Welt-Theologien aufzutauchen.

 

Starke Opposition

 

Allerdings stieß die Bewegung auch auf starken Widerstand. Der heftigste Widerstand kam von den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Mächten Lateinamerikas und der USA. Widerstand kam aber auch von Seiten der Katholiken, die der Bewegung vorwarfen, zur Interpretation bestimmter Aspekte der Armut Ideen aus der marxistischen Analyse zu verwenden.

Während der CELAM-Konferenz in Puebla (1979) regte sich Widerstand innerhalb der lateinamerikanischen Kirche selbst, unterstützt von Johannes Paul II., der fünf Monate zuvor gewählt worden war und seine erste Reise nach Lateinamerika unternahm. Während er die Bischöfe aufforderte, „die Schlussfolgerungen von Medellín mit all ihren positiven Aspekten als Ausgangspunkt zu nehmen“, einschließlich der vorrangigen Option für die Armen, drängte Johannes Paul II. – ein Pole aus einem kommunistischen Regime und daher jedem Bezug zum Marxismus gegenüber sehr kritisch – sie, „die manchmal gemachten Fehlinterpretationen nicht zu ignorieren, die nüchterne Urteilskraft, rechtzeitige Kritik und klare Positionen erfordern“.

 

Kritik von Johannes Paul II.

 

Der neue Papst kritisierte insbesondere „Neulesungen des Evangeliums, die mehr auf theoretischen Spekulationen als auf einer authentischen Meditation des Wortes Gottes und einem echten evangelischen Engagement basieren“. Er warnte davor, Jesus als politisch engagiert darzustellen, als eine Figur, die gegen die römische Herrschaft und Macht kämpft und damit in Klassenkämpfe verwickelt ist. „Diese Vorstellung von Christus als politischer Figur, als Revolutionär, als Umstürzler von Nazareth steht nicht im Einklang mit der Katechese der Kirche“, betonte er.

 

1984 wurde die Befreiungstheologie von der Glaubenskongregation unter dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., heftig kritisiert. Gutiérrez musste zusammen mit anderen seine Ideen verteidigen. Im März 1986 bot eine zweite Instruktion eine viel positivere Neuinterpretation. Und 2004, am Ende eines 20 Jahre dauernden „Dialogprozesses“, erhielt Gutiérrez einen Brief von Kardinal Ratzinger, in dem dieser dem Allmächtigen für den zufriedenstellenden Abschluss dieses Weges der Klärung und Vertiefung dankte.

 

Eintritt in die Dominikaner

 

Drei Jahre zuvor war Gutiérrez dem Dominikanerorden beigetreten und legte am 24. Oktober 2004 im Kloster des Heiligen Namens im französischen Lyon seine feierliche Profess ab. Als er seine Entscheidung bekannt gab, dem Predigerorden beizutreten, schrieb ihm der flämische Dominikanertheologe Edward Schillebeeckx einen Brief, der mit den Worten begann: „Endlich!“

 

 

 

Resumen Latinoamericano

 

Mexiko. Pater Marcelo

 

By Resumen Latinoamericano on 23 octubre, 2024

 

Die feige Ermordung des Priesters Marcelo Pérez Pérez, Pfarrer der Gemeinde Nuestra Señora de Guadalupe in San Cristóbal de las Casas, Chiapas, ist, wie der Dichter Miguel Hernández schrieb, ein harter Schlag / ein eisiger Schlag / ein schrecklicher Schlag für die indigene Welt von Chiapas und für die Sache des Friedens.

 

Pater Marcelo, ein Tsotsil aus Chichelalhó, San Andrés Sacam'chen de los Pobres, ein Verteidiger des Lebens, wurde am 17. Januar 1974 in einer Bauernfamilie mit 11 Geschwistern geboren, in der seine Eltern weder lesen noch schreiben konnten. Er besuchte fünf Jahre lang ein Internat und wurde in der sehr konservativen Diözese von Tuxtla Gutiérrez erzogen. Am 6. April 2002 weihte ihn der Bischof von San Cristóbal, Felipe Arizmendi, zum Priester. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung war er einer von sechs indigenen Priestern, die in der Diözese arbeiteten.

 

Er war trotz seiner Einfachheit und Bescheidenheit ein leuchtender Stern in den Gemeinden. Er kannte jeden Konflikt und jeden Vereinigungsprozess in Los Altos in- und auswendig.

 

Neben denjenigen, die ihn um Rat oder Führung baten, suchten Hunderte von Menschen seine Hilfe bei der Lösung kleiner, mittlerer und großer, persönlicher und politischer Probleme. Von der Befreiung eines zu Unrecht Inhaftierten über die Rettung einer gewaltsam aus ihrer Gemeinde vertriebenen Frau bis hin zur Verteidigung der letzten Feuchtgebiete von San Cristóbal.

 

Pater Marcelo wurde Priester in der Blütezeit der Wiederherstellung der indigenen Völker. Es fiel ihm zu, sein Priesteramt auszuüben, als das Gemeinschaftsgefüge zerfiel. Aufgrund seines Wesens und seines Verständnisses stand er an vorderster Front bei den schweren sozialen Konflikten, die San Andrés, Simojovel, Chenalhó, Chalchihuitán, El Bosque, Bochil, Pantelhó und Huitiupán erschütterten. Seine Wurzeln und seine Führungsqualitäten ermöglichten es ihm, in der Region das zu tun, was anderen Ordensleuten aus anderen Kulturkreisen und Einheiten schwerer fällt. Seine Fähigkeit, sich innerhalb der Diözese zu bewegen, war enorm, und die Autorität und der Respekt, die ihm in der Diözese Tapachula entgegengebracht wurden, waren unbestreitbar.

 

Er hatte immer ein offenes Ohr für seine Mutter, für sein Volk, für seine Brüder in der Sierra und an der Grenze, die vom organisierten Verbrechen bedroht waren. Das Massaker von Acteal, bei dem Paramilitärs 45 Mitglieder von Las Abejas, die für den Frieden beteten, auf grausame Weise töteten, erleuchtete ihn, bekehrte ihn und brachte ihn dazu, andere Wege zu gehen, zusammen mit Indigenen, demokratischen Lehrern, Opfern von Gewalt und Vertreibung. Es verband sein Herz mit den Menschen. Wie er Raúl Zibechi in Ojarasca erzählte: Ich hatte Angst und konnte sehen, dass in Acteal die Menschen frei sind. Ich bin ein Hirte, aber die Schafe sind sehr mutig. Ich habe mich mit ihnen zusammengetan, um die Straflosigkeit anzuprangern und gegen das Projekt der Landstädte der Regierung von Juan Sabines zu kämpfen.

 

Seine Berufung und seine Fähigkeit zur Evangelisierung trugen unerwartete Früchte. Die letzte Pfarrei, der er zugeteilt wurde, Barrio de Guadalupe, ist ein Symbol für die authentischen Coletos, die für ihren Konservatismus bekannt sind. Obwohl es in den östlichen Außenbezirken der Stadt kirchliche Basisgemeinschaften (CEB) gibt, gelang Pater Marcelo das Kunststück, unter den nicht progressiven Gläubigen seiner Gemeinde Friedenskomitees außerhalb der CEB zu bilden. Am 20. Oktober letzten Jahres, während der Prozession seines Sarges von der Staatsanwaltschaft nach Guadalupe, waren viele Gemeindemitglieder wirklich gerührt. Ein Kinderchor in der Kirche verabschiedete sich von ihm.

 

Pater Marcelo verstand sich nie als Teil der Befreiungstheologie. Sein Horizont war das Dokument Aparecida 2007: Lichter für Lateinamerika", das aus der fünften Generalkonferenz der Celam hervorging und aus seiner Sicht darauf hinweist, dass die Kirche Anwältin der Gerechtigkeit und Verteidigerin der Völker" sein muss. Die Aktionslinien des Priesters hatten vier Achsen: die Realität, mit der man konfrontiert ist, das Wort Gottes angesichts dieser Realität, die Position der Kirche und die Verpflichtungen, die übernommen werden müssen. Er bekräftigte: "Es reicht nicht, zu beten, hat Jesus nur gebetet? Ein Glaube ohne Werke ist ein toter Glaube. Das Wort Gottes muss auf die Erde gebracht werden; es hat Auswirkungen auf das wirkliche Leben.

 

Er mahnte sein Volk: "Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Licht ausgeht, wie wollt ihr dann das wirtschaftliche, politische und soziale Leben im Alltag erhellen? Neben vielen anderen Kämpfen hat er den Kampf der demokratischen Lehrer gegen die Bildungsreform von Enrique Peña begleitet. Er nahm an ihren Märschen teil, sprach auf ihren Kundgebungen und setzte sich in seinen Predigten für sie ein.

 

Bei mehreren Gelegenheiten versuchten Kaziken, Politiker und Narcos, ihn zu töten. Bei anderen Gelegenheiten setzten sie ein Kopfgeld auf sein Leben aus. Erst 150.000 Pesos, dann 400.000, beim dritten Mal eine Million. Die Auftragskiller selbst gestanden ihm: "Vater, wir verdienen damit unser Geld. Aber einen Vater zu töten, nicht mehr. Ich will mir nicht die Hände schmutzig machen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR) forderte den mexikanischen Staat auf, vorsorgliche Maßnahmen zu seinen Gunsten zu ergreifen, denen natürlich nicht nachgekommen wurde. Die Staatsanwaltschaft wusste, wer vorhatte, ihn zu töten.

 

Pérez wusste, was auf dem Spiel stand. Wenn er sich nicht rührt, rührt er sich nicht. Ich weiß, dass mir jeden Moment etwas zustoßen kann. Aber mein Glaube ist größer als mein Tod. Der Frieden ist es wert, dass ich mein Leben riskiere, sagte er.

 

Als unermüdlicher Kämpfer für den Frieden lässt sich seine Ideologie in zwei Zeichen zusammenfassen: ein Kleidungsstück und eine Melodie. Als eine Art zivile Kutte trug er ein T-Shirt mit dem Bild von Monsignore Óscar Arnulfo Romero, Erzbischof von El Salvador, der 1980 während einer Eucharistiefeier ermordet und 2018 heiliggesprochen wurde. Sein Lieblingslied war No basta rezar von der venezolanischen Musikgruppe Los Guaraguo.

 

Er erklärte seinen Gemeindemitgliedern die tiefen Wurzeln seiner Mission. Das System, das wir haben, will Gewalt, nicht Gerechtigkeit, sagte er. Dieses System ist nicht menschlich. Der Frieden vereint uns. Wir müssen versuchen, ein System aufzubauen, das uns humanisiert

 

 Gestern pflanzte sein Volk Pater Marcelo auf sein Land. Seine Ermordung hinterlässt einen großen Schmerz und eine große Leere. Dies sind Tage der Trauer für die indigenen Völker und der Angst für Chiapas.