Titelblatt

Leseproben

Inhaltsverzeichnis (seit 2003)

 

zurück zur Startseite

 

 

 

Aktuelle Informationen

Termine

Links

 

  aus:

 

KRITISCHES CHRISTENTUM

 

Nr. 444/445                             Jänner/Februar 2021

 

 

 

Shay Cullen:

 

2021: HOFFNUNG UND FREIHEIT

 

Das neue Jahr hat begonnen und mit dem Erscheinen verschiedener Impfstoffe besteht große, lebendige Hoffnung, dass der tödliche Killer Covid-19 rechtzeitig besiegt werden könnte. Es kann ein Jahr oder so dauern, wenn die politischen Führer wirklich führen und mit moralischem Ge­wissen und Kompetenz handeln. Wir können Covid-19 besiegen. Ein Impfstoff wird das Virus nicht eliminieren. Es wird immer noch da sein, aber wir können uns vor ihm schützen. Auf den Philippinen wird ein Impfstoff ohne Verzögerung dringend benötigt. Sicher, die Wirtschaft muss weiter­laufen und totale Abriegelungen wird es in nächster Zeit nicht geben, aber die Infektionen und Todesfälle nehmen rasant zu.

 

Es ist wirklich gut, das traumatische Jahr 2020 hinter sich zu haben, in dem Millionen von Menschen durch Covid-19 getötet wurden. Wer weiß das nicht? Nun, viele Hunderttausende auf der ganzen Welt scheinen es nicht zu wissen oder es nicht zu glauben. In den entwickelten westlichen Na­tionen scheinen viele nicht zu wissen oder anzuerkennen, dass die Menschheit von einem tödlichen unsichtbaren Feind angegriffen wird, der sie in wenigen Wochen töten könn­te, wenn sie infiziert werden.

 

Diese Menschen leben ihr tägliches Leben weiter und protestieren und demonstrieren gegen die von der Regierung auferlegten Einschränkungen wie soziale Distanzierung, Maskentragen und häufiges Händewaschen. Für sie ist das Virus eine Fake-News oder zumindest nicht real für sie. Vielleicht lesen, hören oder sehen sie die Nachrichten nicht. Sie ignorieren die Warnungen und gehen feiern und mischen sich unter die Leute und scheinen die Lebensgefahr, die das Virus darstellt, nicht zu kennen. Erst wenn sie die schmerzhafte, lähmende Krankheit haben, fragen sie sich: „Wie habe ich das bekommen?”

 

Das sind die Menschen, die nicht erkennen, dass sie eine Gefahr für andere sind. Sie können präsymptomatisch oder asymptomatisch sein, das Vi­rus in sich tragen, aber noch keine grippeähnlichen Symptome zeigen. Glück für sie, aber nicht für ihre Freunde und Nachbarn, die sie an­stecken und unwissentlich töten könnten. Deshalb sind effektive Tests entscheidend für die Kontrolle der Ausbreitung. Wenn ein positives Test­ergebnis gefunden wird, müssen die Personen, die in engem Kontakt mit der infizierten Person standen, aufgespürt und ebenfalls getestet wer­den. Dies hat in Taiwan, Neuseeland und jetzt auch in China, wo das Virus zuerst entdeckt wurde, sehr gut funktioniert. In diesen Ländern ist es un­ter strenger Kontrolle. Südkorea war eine Zeit lang bei den Besten, aber es wurde ein neuer Ausbruch entdeckt. Das Gleiche gilt für Thailand. Viel­leicht hat sich Selbstgefälligkeit eingestellt und die Menschen haben ihre Wachsamkeit verringert und die Schutzmaßnahmen fallen gelassen.

 

Wenn Menschen positiv getestet werden, müssen sich alle isolieren und, wenn sie sehr krank sind, in ein Krankenhaus gehen. Die steigende Zahl der Infizierten ist alarmierend und äußerst bedenklich. Jeden Tag werden neue Rekorde aufgestellt. Die britischen Rettungsdienste sind mit Ein­sät­zen überfordert. Überall in den Krankenhäusern gibt es zu wenig Betten und Intensivstationen. Die Patienten werden in Krankenhausfluren, Ka­­pellen, Kantinen und Büros geparkt. Das ist das Ergebnis unverantwortlicher sozialer Kontakte, die zur Ausbreitung des Virus beigetragen ha­ben. Die Vereinigten Staaten gehören zu den am schlimmsten betroffenen Ländern mit täglich massiven Neuinfektionen. Ein Großteil davon ist auf den unverantwortlichen Mangel an koordinierter Reaktion und Kontrolle zurückzuführen, angeheizt durch Ignoranz, Leugnung und Un­tä­tig­keit von unmoralischen politischen Führern ohne Intelligenz und Mitgefühl. Fürsorge und Nächstenliebe stehen nicht auf ihrer Agenda. Der neue Prä­sident Joe Biden kommt vielleicht gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass weitere Millionen Amerikaner in­fiziert werden und ster­ben.

 

Dieser unsichtbare tödliche Feind wird mit dem Aufkommen von Impfstoffen, die in erstaunlich schneller Zeit hergestellt werden, nicht so schnell besiegt werden. Es wird einige gemeinsame Nobelpreise und andere Auszeichnungen geben, die an die brillanten Wissenschafter und ihre Teams, die einen wirksamen Impfstoff erfunden haben, mit Sicherheit vergeben werden. Es muss auch Auszeichnungen für das medizinische Per­sonal geben, für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, die die Last der Versorgung der Kranken getragen haben.

 

Dieses neuartige Coronavirus ist kein gewöhnliches Virus, das eine Zeit lang da ist und dann wieder verschwindet. Nein, es ist hier, um zu blei­ben, und es hat eine Mission, wie es scheint: sich noch effektiver zu übertragen und so viele Menschen wie möglich zu infizieren und zu töten. Es ist ein nicht lebender Organismus, kann sich aber weiterentwickeln und innerhalb weniger Monate zu einem neuen, noch tödlicheren Killer­vi­rus mutieren. Wir erleben in diesen Tagen einen neuen Stamm mit einem neuen, virulenteren, mutierten Virus, der sich noch schneller und mit töd­licherer Wirkung ausbreitet, während Sie dies lesen.

 

Es wird viele Monate dauern, bis Impfstoffe für alle Menschen verfügbar sind. Jeder muss alle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, während der Impf­stoff verabreicht wird. Es wird ein Jahr dauern, bis die Weltbevölkerung teilweise geschützt ist. Ich sage „teilweise“, weil die Experten uns im­mer wieder sagen, dass es keine gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, wie lange der Impfstoff eine Person vor weiteren Infektionen schützt. Der Impfstoff tötet das Virus nicht ab, sondern versetzt das menschliche Immunsystem in die Lage, das Virus im Körper zu bekämpfen und ab­zu­töten. Wir müssen die Vorsichts- und Schutzmaßnahmen noch mindestens ein Jahr lang fortsetzen, bevor ein Teilschutz be­steht.

 

Der in Großbritannien neu zugelassene Impfstoff von Oxford-AstraZeneca ist einer der besten, weil er bei normaler Kühltemperatur gelagert wer­­den kann, so dass Ärzte und Kliniken ihn problemlos aufbewahren und verabreichen kön­nen. Außerdem kostet er viel weniger. Er ist nach der zweiten Impfung 21 Tage nach der ersten Injektion am wirksamsten. Allerdings liegt die Wirksamkeit je nach Patient bei 62 bis 90 Prozent. Der Impfstoff von Pfizer-BioNTech muss bei -70 Grad Celsius gelagert werden. Er hat, wie auch der Moderna-Impfstoff, eine 95-prozentige Wirk­samkeitsrate. Der russische Impfstoff Gamaleya (Sputnik V) hat eine Wirksamkeitsrate von 92 Prozent.

 

Einschränkungen sollten gesetzlich vorgeschrieben werden, so dass eine Bescheinigung über die Impfung für Bewerbungen oder andere öffent­li­che Dienstleistungen obligatorisch ist, so wie eine Geburtsurkunde für die meisten Anlässe erforderlich ist – Bewerbungen, Einschulung und so wei­ter. Die Weigerung, sich impfen zu lassen, gefährdet die Öffentlichkeit und ist wie ein Todesurteil für andere. Impfstoffe funktionieren und wer­den viele Menschen vor dem Virus schützen. Dann können wir rechtzeitig damit beginnen, zu einem nicht-virusbedingten Leben zurück­zu­keh­ren, und die emotionale und wirtschaftliche Erholung kann beginnen. Das kann nicht früh genug kommen.

 

Aus: preda.org, 1. 1.. 2021

 

Shay Cullen (* 1943 in Dublin) wurde 1969 als Kolumbianer-Missionar auf die Philippinen entsandt. 1974 gründete er die Stiftung PREDA (Peoples Recovery, Em­power­ment and Development Assistance Foundation), um Folter- und Missbrauchsopfern des Marcos-Regimes und der US-Militärbasis zu helfen. Jahrelang war er Kämp­fer gegen Sextourismus und Kinderprostitution sowie Initiator einer Kampagne zur Auflösung und Umnutzung der Militärbasen.

 

 

„DIE KULTUR DER ACHTSAMKEIT ALS WEG ZUM FRIEDEN“

Reflexion von Sr. Teresia Wamũyũ Wachira (IBVM), Co-Präsidentin von Pax Christi Inter­na­tio­nal, über die Botschaft von Papst Franziskus zum 54. Weltfriedenstag der Katho­li­schen Kirche am 1. 1. 2021

In seinen früheren Überlegungen zu den Weltfriedenstagen und in den beiden Enzykliken „Laudato Si“ und „Fratelli Tutti“ hat Papst Franzis­kus die Liebe und die Sorge für die Umwelt und für die Menschheit (die aufgerufen ist, füreinander da zu sein) miteinander verbunden. In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2021 „Die Kultur der Achtsamkeit als Weg zum Frieden“ greift der Papst dies auf, wenn er uns erneut ein­lädt, uns zu Fürsorge und Mitgefühl zu verpflichten, indem wir die Würde jedes Menschen fördern, mit den Armen und Schwachen solidarisch sind und uns für das Gemeinwohl und die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Dies ist eine ständige Einladung für uns alle auf­grund der Realität der Covid-19-Pandemie und des Klimawandels. In ähnlicher Weise hat uns diese globale Erfahrung auf die Tatsache fokus­siert, dass wir alle miteinander verbunden sind, unabhängig von unserem Geschlecht, unserem Glauben, unserer Rasse, unseren verschiedenen Zu­ge­hö­rig­keiten, unserem sozioökonomischen und politischen Status.

Darüber hinaus ruft uns der Papst auf, für das zu leben und zu arbeiten, was wirklich zählt, nämlich „den Wert und die Würde jedes Menschen, ... die Solidarität für das Gemeinwohl und ... die Hilfe für diejenigen, die unter Armut, Krankheit, Sklaverei, bewaffneten Konflikten und Diskri­mi­nie­rung leiden.“ Papst Franziskus fordert uns weiter auf, „ein prophetisches Zeugnis für eine Kultur der Achtsamkeit zu werden, indem wir da­ran arbeiten, die vielen bestehenden sozialen Ungleichheiten zu überwinden“, und mahnt, dass dies „nur durch ein weit verbreitetes und sinn­volles Engagement der Frauen in der Familie und in allen sozialen, politischen und institutionellen Bereichen geschehen kann.“ Dies ist ein Denk­anstoß für uns alle, wenn wir das neue Jahr 2021 einläuten.

Die ersten Fragen, die wir uns vielleicht stellen müssen, sind: Was wird im Jahr 2021 anders sein in der Art und Weise, wie wir miteinander (Frau­en und Männer, Jugendliche und Kinder), mit unseren Gemeinschaften, unseren Nachbarn und der globalen Welt umgehen? Was müssen wir tun, um unsere Herzen, unsere Häuser und unsere Grenzen für die „Verwundbaren“ zu öffnen, die uns jeden Tag die Hand reichen und uns her­ausfordern, als Antwort auf ihren Schrei der Verwundbarkeit zu handeln? Wie können unsere Herzen bekehrt und unsere Denkweise ver­än­dert werden, um in Solidarität miteinander und mit unserer Mutter Erde für wahren Frieden zu arbeiten?

Fürsorge füreinander geht über Worte und Überlegungen hinaus. Es geht darum, eine „neue Kultur“ anzunehmen, die uns über uns selbst hinaus zu selbstloser Liebe ruft, wie Mutter Teresa von Kalkutta es formulierte: „Lieben, bis es weh tut“. Jesu eigenes Leben und seine Mission waren geprägt von Liebe, Fürsorge, Mitgefühl, Respekt vor der Würde eines jeden Menschen; eine Liebe, die zur Selbstent­äuße­rung am Kreuz führte. Durch Jesu Beispiel lernen wir, der Hüter unserer Schwester und unseres Bruders zu sein, der „barmherzige Samariter“ (Lk 10,34-35) zu sein, der die Wunden derjenigen verbindet und heilt, die unter verschiedenen Verletzlichkeiten leiden, und der die Wunden unserer Mutter Erde verbindet und heilt, die durch mangelnde Achtsamkeit verwüstet ist.

Papst Franziskus lädt uns auch ein, kreativ zu denken und zu handeln in Bezug auf die riesigen Mengen an Ressourcen, die ausgegeben wer­den, um Waffen zu finanzieren, besonders Atomwaffen und andere Waffen wie Sprengstoff, Artillerie und Kleinwaffen, die den Verlust von Menschenleben, weit verbreitete Vertreibungen und die Beschneidung verschiedener Freiheiten verursachen. Er fordert, dass diese Mittel für die Sicherheit der Menschen, die Förderung des Friedens und der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, den Kampf gegen die Armut und die Bereitstellung von Gesundheitsfürsorge verwendet werden. Er ruft zur Schaffung eines „globalen Fonds“ auf, der zur Beseitigung des Hun­gers und zur Entwicklung der ärmsten Länder eingesetzt werden soll. Darüber hinaus erinnert er uns daran, dass die Förderung einer Kultur der Achtsamkeit einen Prozess der Bildung erfordert.

Während wir uns auf eine theologische Reflexion über diese tiefgreifenden Aufrufe von Papst Franziskus einlassen, sollten wir seinen Aufruf an­nehmen, den Kompass in die Hand zu nehmen und „ein prophetisches Zeugnis der Kultur der Achtsamkeit zu werden“. Um das zu tun, ist es wich­tig, seine Einsichten und Anliegen zu rekapitulieren, die sowohl in seinen Enzykliken als auch in den Botschaften zum Weltfriedenstag ent­hal­ten sind, auf die wir uns früher in dieser Reflexion bezogen haben, wo er uns eingeladen hat, sowohl die Menschen als auch die Umwelt zu re­spektieren und zu schützen und so den Kompass in die richtige Richtung zu setzen. Er erinnert uns daran, dass wir aufgerufen sind, zu ar­ti­ku­lie­ren und vorzuleben, was es heißt, sich zu kümmern, indem wir in Jesu eigene Fußstapfen treten (Lk 10,37). Jesus erfüllte die Mission, für die er gesandt wurde, alle Menschen zu erlösen; er heilte die mit gebrochenem Herzen, gab den Blinden das Augenlicht, befreite die Ge­fan­ge­nen und verkündete allen das Gnadenjahr Gottes (Lk 4,18). Er lehrte uns also, was es heißt, sich zu kümmern und gewaltfrei zu han­deln. Doch, wie Papst Franziskus erinnert, gibt es heute die Tendenz, dass die Menschheit eine „Kultur der Gleichgültigkeit, der Verschwendung und der Kon­fron­tation“ annimmt und sich gleichermaßen in einer Kultur der Gewalt engagiert; eine solche Kultur bringt nur Zer­stö­rung und Tod von Gottes Schöpfung.

Papst Franziskus hat eine besondere Botschaft für alle Friedensstifter, dass wir aufgerufen sind, „prophetische Zeugen einer Kultur der Achtsamkeit zu werden“. Die Einladung an uns alle im Jahr 2021 besteht darin, unsere Verpflichtung noch einmal zu erneuern, für die grundlegenden Menschenrechte jedes Menschen einzutreten, sie zu verteidigen und zu fördern, die Menschen mit gebrochenem Herzen zu heilen, denen, die unter verschiedenen Formen von Blindheit und Ungerechtigkeit leiden, das Augenlicht wiederzugeben, Gefangene von den ver­schiedenen Ketten der Ausgrenzung, der Lauheit, der Unsicherheit, des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit zu befreien und unsere Mutter Erde verantwortungsvoll zu „bebauen“ und Hüter zu sein. Wir schließen auch den Aufruf von Papst Franziskus ein, gegen die Reiche der Massenvernichtungswaffen und alle Formen von Waffen und Artillerie zu sprechen und zu handeln (dabei lenken wir die Aufmerksamkeit be­sonders auf Klein- und Leichtwaffen), die als bevorzugte Waffen die hartnäckigen Konflikte besonders auf dem afrikanischen Kontinent an­hei­zen. In unserer Nachfolge des gewaltlosen Jesus sind wir berufen und beauftragt, Strukturen und Handlungen in Frage zu stellen, die ge­walt­tä­tig und nicht mit einer „Kultur der Achtsamkeit“ vereinbar sind und daher kein „Weg zum Frieden“ sein können. Wie Papst Franziskus kurz und bündig sagt: „Frieden und Gewalt können nicht zusammen wohnen“.

Quelle: https://paxchristi.net/

 

ECONOMY OF FRANCESCO – SCHLUSSDOKUMENT

 

Wie schafft man eine gerechtere, nachhaltige Wirtschaft? Das berieten 2.000 Teilnehmer in einer von Assisi aus moderierten Online-Kon­fe­renz.  Hier ist das Schlussdokument:

 

Wir jungen Ökonominnen und Ökonomen, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Protagonistinnen und Protagonisten des Wandels der Welt, von Papst Franziskus nach Assisi gerufen, möchten im Jahr der COVID-19-Pandemie eine Botschaft senden

 

an Ökonominnen und Ökonomen, Unternehmerinnen und Unternehmer, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Arbei­terin­nen und Arbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger der Welt,

 

um die Freude, die Erfahrungen, die Hoffnungen und Herausforderungen zu vermitteln, die wir in dieser Zeit gewonnen und gesammelt haben, in­dem wir auf unsere Menschen und unsere Herzen gehört haben. Wir sind davon überzeugt, dass eine bessere Welt nicht ohne eine
bes­sere Wirtschaft aufgebaut werden kann und dass die Wirtschaft für das Leben der Menschen und der Armen so wichtig ist, dass wir uns alle darum kümmern müssen.

 

Aus diesem Grund und im Namen der jungen Menschen und der Armen der Erde,

fordern wir, dass

 

1.die großen Weltmächte und die großen Wirtschafts- und Finanzinstitutionen ihren Wettlauf verlangsamen, damit man die Erde atmen lässt. CO­VID hat uns alle langsamer gemacht, ohne uns dafür entschieden zu haben. Wenn COVID vorbei ist, müssen wir uns dafür entscheiden, das un­gezügelte Wettrennen zu verlangsamen, das die Erde und die schwächsten Menschen, die auf ihr leben, erstickt;

 

2. ein weltweites Teilen der fortschrittlichsten Technologien beginnt, damit eine  nachhaltige Produktion auch in Ländern mit niedrigem Ein­kom­men erreicht werden kann; und dass Energiearmut – eine Quelle wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Ungleichheit – überwunden wird, um Klimagerechtigkeit zu erreichen;

 

3. das Thema der Verwaltung von Gemeingütern (insbesondere globaler Güter wie Atmosphäre, Wälder, Ozeane, Land, natürliche Ressourcen, al­le Ökosysteme, biologische Vielfalt und Saatgut) in den Mittelpunkt der Regierungsagenden und des Unterrichts an Schulen, Universitäten und Wirtschaftsschulen auf der gan­­zen Welt  gestellt wird;

 

4. ökonomische Ideologien nie wieder dazu verwendet werden, um Arme, Kranke, Minderheiten und benachteiligte Menschen aller Art zu ver­let­zen und abzulehnen, denn die erste Antwort auf ihre Armut besteht darin, jeden Menschen zu respektieren und zu schätzen: Armut ist kein Fluch, sondern nur Unglück und es liegt gewiss nicht in der Verantwortung der Armen;

 

5. das Recht auf menschenwürdige Arbeit für alle, Familienrechte und alle  Menschenrechte im Leben eines jeden Unternehmens gelten, für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer und durch die Sozialpolitik eines jeden Landes garantiert sowie weltweit durch eine beschlossene Charta anerkannt, die Geschäftsentscheidungen, die ausschließlich auf Profit basieren und auf der Ausbeutung von Minderjährigen und der am stärksten Benachteiligten, entgegentritt;

 

6. Steueroasen auf der ganzen Welt sofort abgeschafft werden, weil in einer  Steueroase hinterlegtes Geld eines ist, das unserer Gegenwart und unserer Zukunft gestohlen wurde, und dass ein neuer Steuerpakt die erste Antwort auf die Welt nach  COVID ist;

 

7. neue Finanzinstitutionen gegründet und die bestehenden (die Weltbank, der  Internationale Währungsfonds) in einem demokratischen und in­te­grativen Sinne reformiert werden, um der Welt zu helfen, sich von der durch die Pandemie verursachten Armut und Ungleichheiten zu er­ho­­len; nachhaltige und ethische Finanzierungen sollten belohnt und gefördert werden, und hochspekulative und räuberische Finanzierungen soll­ten durch angemessene Steuern hintangehalten werden;

 

8. Unternehmen und Banken, insbesondere große und globalisierte, eine unabhängige Ethikkommission in ihre Governance einführen, die ein Veto bei Fragen der Umwelt, Gerechtigkeit und der Auswirkungen auf die Ärmsten einlegen kann;

 

9. nationale und internationale Institutionen Preise vergeben, um innovative Unternehmerinnen und Unternehmer im Kontext der ökologischen, so­zialen, spirituellen und nicht zuletzt der unternehmerischen Nachhaltigkeit zu unterstützen, denn nur durch ein Überdenken des Manage­ments von Menschen in Unternehmen wird eine globale Nachhaltigkeit der Wirtschaft möglich;

 

10. Staaten, große Unternehmen und internationale Institutionen daran arbeiten, jedem Mädchen und Jungen auf der Welt eine qualitativ hoch­wer­tige Ausbildung zu bieten, da das Humankapital das erste Kapital jedweden Humanismus ist;

 

11. Wirtschaftsorganisationen und zivile Institutionen nicht ruhen bis weibliche  Arbeitnehmer die gleichen Chancen wie männliche Arbeit­neh­mer haben, da Unternehmen und Arbeitsplätze ohne ausreichende Präsenz weiblicher Talente nicht  vollständig und authentisch menschliche und glückliche Orte sein können.

 

12. Schließlich rufen wir alle zum Engagement auf, damit die von Jesaja pro­phe­zeite Zeit näher rückt: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ih­ren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ (Jes 2, 4). Wir jungen Leute können es nicht länger  tolerieren, dass Ressourcen aus Schulen, dem Gesundheitswesen, unserer Gegenwart und un­serer Zukunft weggenommen werden, um Waffen zu bauen und Kriege zu schüren, die nötig sind, um sie zu verkaufen. Wir möchten unseren Kindern  sagen, dass die Welt im Krieg für immer beendet ist.

 

Assisi, 21. November 2020